Jetzt reicht’s!

Verdammich!

Verdammich, verdorrich nochma! Da freut man sich vor vier Wochen darüber, dass man einen Rasenmäher abgenommen hat und dann geht’s drei Wochen hintereinander wieder rauf. Ja, ich war durch große Veränderungen abgelenkt. Ja, ich hatte Urlaub und fraß Mutters Hausgemachtes mit Inbrunst. Ja, es ist normal, dass es immer mal wieder hakt. Aber drei erfolglose Wochen machen mich mürbe wie Mutters Heidesand. Denn ja, ich bin in einer Woche vier mal fünf Kilometer gerannt und ja, ich bin stundenlang durch dänische Dünen gewandert.

Ist es das, was doch so einige das Gewehr ins Getreide schmeißen lässt? Ich bin durchaus versucht. McDonald’s Schlemmerplatte? Aber ich versuche, der Versuchung zu widerstehen. Einskommavier Kilo habe ich nun wieder mehr und wisst Ihr was? Ich weigere mich, das Männchen oben auf dieser Seite zurück zu scheuchen. Nix! Denn jetzt will ich’s wissen, obwohl ich’s eigentlich besser wissen sollte. Feierlich setze ich mir heute zum Ziel, bis nächsten Dienstag die Position des kleinen Mannes wieder zu rechtfertigen. Wenn Björn Otto für London acht Zentimeter mehr anvisiert, um mit einer fünf Meter langen Latte über eine sechs Meter hohe Latte zu hüpfen, dann ist das ein hehres Ziel. Sagen die Medien. Und wenn ich einskommavier Kilo in einer Woche abschütteln will, dann ist das ein hehres Ziel. Sage ich. Zursahne ruft: Ist das machbar? Ich rufe: Ja. Zursahne ruft: Ziehst Du das durch. Ich sage: Ja. Und freue mich schon darauf, nächste Woche in sülzenden Worten mein Versagen zu rechtfertigen. Wie bitte?

Bevor man mir aber nun zu viel Gegreine vorwirft, berichte ich auf Anforderung vieler nun noch ganz sachlich von den Erlebnissen des Strandläufers. Es goss in Strömen genau so stark wie in Vejers. 267 Läufer traten an. Viele blieben zu Hause in der guten Stube. Aber was sollte ich machen, schließlich war der ganze Urlaub 1.100 Kilometer nördlich nur deswegen zustande gekommen. Also Jacke zu, Brille ab und los. Die ersten 2,5 Kilometer liefen problemlos. „Wieso geht denn das so leicht?“, dachte der ungeübte Regenrenner. Dann kam der Wendepunkt. Vom Norden zurück in den Süden. Und ich wusste plötzlich warum, denn wie ein Haubentaucher auf Südkurs auf der reißenden Iller kam ich nicht voran. Wind. Will sagen: Sturm. Ein wahrer Gegenorkan. Vielen war das zu blöd. Kopfschüttelnd warfen sie ihre Handtücher. Aber was sollte ich machen, schließlich war der ganze Urlaub 1.100 Kilometer nördlich nur deswegen zustande gekommen. Also weiter. Ein gefühltes Jahr später kroch ich über die Ziellinie und steuerte schnurstracks auf die Gratisbananen zu. Meine Familie hatte noch nicht mit mir gerechnet und verpasste im trockenen Souvenirladen meinen Zieleinlauf. 36:38 Minuten. Platz 145. Mittelfeld. Eine gefühlte Sekunde später saß ich im gemütlichen Feriehus und fraß Kanelstang. Es war geschafft. Ich war geschafft. Das Gebäck war geschafft.

Als nächstes ist der München Marathon am 14. Oktober dran. Ob fünf oder zehn Kilometer? Weiß noch nicht. Ich sag‘ nur: Acht Zentimeter…

3 Gedanken zu “Jetzt reicht’s!

  1. Hallo Mitstreiter,

    mach dir nix aus der Durststrecke. Ich hatte die letzten beiden Wochen ebenfalls zugenommen – 1,9 kg (ich sag mal „Europameisterschaft“).

    Aber ich bin cool geblieben und habe nach heutiger Wiegung im Treffen den Trend wiedr umgekehrt – minus 1,4 kg in einer Woche (ich sag mal: „verstaubtes Rennrad aus dem Keller geholt“)

    Also => es zählt, mittel- bis langfristig anzunehmen. Wenn es bei dir kommende Woche nur 100 Gramm sind, isses lang gut!!

    Salut, WW-Man aus Gießen

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