Mit erheblicher Verspätung möchte ich nun vom Schicksalsdienstag, meinem ersten WW-Treffen, berichten. Gerade mal drei Tage nach dem Schnuppertag betrat ich wieder das Zentrum des Wenigerwerdens. Alles sah aus wie am Sonnabend. Nur mehr Stühle und kein Naschereienbuffet. Und was mich erheblich überraschte: Der Raum war voller Leute. Im Halbkreis um die „Coachingzone“ waren mehrere Sitzreihen aufgebaut. Ich hatte eigentlich vor, mich an meinem ersten Tag in die letzte Reihe zu verkrümeln und mich unsichtbar zu machen. Aber das wollten andere auch, und da ich spät dran war, saß ich da, wo ich mich in einem guten Konzert pudelwohl gefühlt hätte: Parkett, zweite Reihe Mitte.
Aber bevor ich mich auf meinen Vorzugsplatz lümmeln konnte, kam als erstes der Moment der Wahrheit. Die Waage, die unerbittliche. Für mich nicht weiter beunruhigend. Nach drei Tagen kann ja nicht so viel passiert sein. Und? Und? Was ist denn nun? 800 Gramm! Immerhin.
Dann begann das Treffen, und ich muss sagen, dass ich mir das alles ganz anders vorgestellt hatte. Ich hatte erwartet, dass ein paar dicke, verschämte Leute im Kreis sitzen und einen auf Selbsthilfegruppe machen. „Ich finde es echt knorke, dass wir darüber mal so richtig cool gesprochen haben.“ Weit gefehlt: Die Coachin hat ihre Bezeichnung absolut verdient. Ich habe in meinem Beruf schon sehr viele Redner, Trainer und Referenten erlebt oder erleben müssen. Was sie hier jedoch abzog, war uneinholbar. Wie ein Fußballtrainer seine Mannschaft vorm Spiel einschwört, so sprang der Funke von ihr auf die Zuhörer über. Und diese machten mit. Während die Motivatorin erklärt, stellt sie im Sekundentakt Fragen. Kein trockener Vortrag, sondern der perfekt gelebte Dialog. Und plötzlich hörte ich überrascht, wie ich selbst in den Kanon mit einstimmte, Fragen stellte, von meinen ersten Erlebnissen berichtete.
Anfangs ging es um die guten Vorsätze des neuen Jahres, die Umfragen zufolge zu siebzig Prozent nicht umgesetzt werden, und damit verbunden um das „magische Dreieck“ aus Wollen, Wissen und Tun. Danach wurden Ziele definiert. Individuelle Ziele. Dabei ging es auch um die kleinen Belohnungen für erreichte Zwischenziele: ein Papierstern zum Einkleben ins Tagebuch für drei Kilogramm Abnahme, ein Maßband für eine Gesamtabnahme von fünf Prozent des Startgewichtes und so weiter. Darüber musste ich schmunzeln. Doch ich sollte mich noch wundern. Denn dann kam die Frage „Sind Sie mit Ihrer letzten Woche zufrieden oder sogar stolz darauf?“ Durch kleine lächelnde Impulse angeregt, plauderten die Teilnehmer über ihre Erfolge. Niemand muss über Misserfolge sprechen, nur wenn er es will. Und die Teilnehmer konnten Erfolge vorweisen. Und sie wurden belohnt. Mit Papiersternen, Maßbändern und – na Ihr wisst schon – mit all diesen kleinen Schmunzelobjekten. Ich dachte nicht, dass man sich über einen Papierstern derart freuen kann. Aber ich wurde neidisch. Ein guter Neid. Ich wurde motiviert. Und genau das ist der Sinn der Treffen. Während die Erfolgreichen ihren tosenden Applaus genossen, sah ich mich schon an ihrer Stelle. Das schaff‘ ich auch!
Natürlich kann und will ich nicht verheimlichen, dass WW auch zeigt, dass ein profitgetriebenes Unternehmen dahinter steht. Der kleine Hinweis auf die spezielle WW-Küchenwaage, die gerade im Angebot ist, die Zuhilfenahme von Büchern, die man natürlich auch kaufen kann. Dezente Hinweise auf Produkte aus dem Lebensmittelsortiment von WW. Aber ich hätte mich auch gewundert, wenn dem nicht so gewesen wäre. Zur Ehrenrettung sei zudem angemerkt, dass das sehr gemäßigt vonstatten ging. Obwohl ich natürlich wieder zugriff. An den Chocolate Peanut Dream-Riegeln kann ich nicht vorbei.
Tja, und dann war der Spuk auch schon wieder vorbei. Ich unterhielt mich noch kurz mit einem anderen Mitglied der in diesem Biotop extrem seltenen Spezies Mann. Er war seit zwei Wochen dabei und hatte heute seinen ersten Stern bekommen. Drei Kilo in zwei Wochen. Ich verabschiedete mich, stieg in mein Auto, fuhr nach Hause, erklomm mein Rudergerät, leistete dreihundert Schläge, kochte gesund, aß wenig und schlief nüchtern und schnell ein. Dienstag geht’s weiter. Ich will den Applaus. Ich will einen kleinen gelben sternförmigen Papierschnipsel. Ich will Erfolg. Amen!
Übrigens: Meine Waage zeigte heute 108,3 kg. Nackich. Zzgl. Kleidung tippe ich für Dienstag auf 110. Und ich bin verdammt satt. Ich bin übrigens für jedes Feedback dankbar, sei es hier im Blog oder auf Twitter (@Garlaban). Feuert mich ruhig an, fragt mich aus. Damit ich weiß, dass ich nicht alleine bin.
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