Drei Erkenntnisse zum Bergfest

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Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich hier meine ersten Worte verbrach. Ist ja auch nicht so lange her. Ich dachte mir damals: Du willst weniger werden? Dann setz‘ Dich selbst unter Druck. Posaune es in die Welt hinaus, erzähle es jedem der es hören will und jedem, der es nicht hören will. Komm, sag es allen weiter: „Ey Alder, ich nehm jetzt voll krass ab, sollst ma seh’n…“ Nun, vielleicht habe ich mich nicht ganz so egomanisch ausgedrückt, aber ich hab’s durchgezogen. Familie, Freunde, Kollegen, Cyberfriends, Wildfremde – alle mussten erfahren, dass der Erdmann unter die WeightWatchers gegangen ist und innerhalb eines Jahres seinen BMI von lethalen 31 auf gesunde 23 absenken will. Von 112,2 kg auf 85, das macht dann 27,2 Kilo Speck, der Herr.

Und nun schaut mal auf den Läufer oben auf dieser Seite. Am Dienstag zeigte die Unbestechliche nun 98,3 kg an. Also eine Gesamtabnahme von 13,9 Kilo. Will heißen: die Hälfte ist geschafft. Ich habe vier Sterne, ein Maßband und einen Schlüsselanhänger erhalten und tauschte dafür mein Fahrrad ein. Naja, nur virtuell. Es steht noch brav in der Garage und ich habe dringend vor, es in Bälde auch ordentlich zu benutzen, aber es wiegt eben genau 13,9 kg. Das muss man sich mal vorstellen. Ich habe ein Fahrrad aus meinem Körper geschnitten. Oder einen Rasenmäher, oder einen Gitarrenverstärker, oder ein dreijähriges Kind, oder einen 40-Zoll-Flachbildfernseher, oder einen Schäferhund, oder eine Mikrowelle, oder…

Ich liebe diese Vergleiche, denn sie machen deutlich, was da eigentlich wirklich gerade geschieht. Die Hälfte ist geschafft. Nun geht’s ans Eingemachte. Wird sicherlich nicht einfacher, aber es gibt Zwischenziele. Stern 5 bei 97,2 kg, Stern 6 bei 94,2 kg, 20-Kilo-Marke bei 92,2 kg, Stern 7 bei 91,2 kg, gesunder BMI bei 90 kg, Stern 8 bei 88,2 kg, 25-Kilo-Marke bei 87,2 kg und Stern 9 bei 85,2 kg – aber der ist unwichtig, denn 200 Gramm später ist eh das Ziel erreicht. Ich glaube, dass dies einer der wichtigsten Tricks beim Abnehmen ist. Zwischenziele, die jeweils problemlos erreichbar sind. Jedes davon verspricht ein Erfolgserlebnis und neue Motivation. Die von WW sind ja nicht doof. Denn warum sonst freuen wir uns so über diesen zackigen Papierschnipsel nach jedem Dreikiloschritt?

Und der zweite wichtige Trick ist eben das bereits angesprochene Weitersagen. Niemand hat die Augen verdreht, mich für verrückt erklärt oder mich ausgelacht. Alle sind voll des Lobes und der Motivation. Und auch Ihr, liebe Leser, bestärkt mich immer wieder mit Euren schönen Feedbacks. Und mal ehrlich – gäbe ich jetzt auf, wäre ich der Verlierer der Nation. Geht gar nicht. Jetzt muss ich da durch. Selber schuld. Aber es ist auch lustig zu beobachten, wie gertenschlanke Kolleginnen mich über ProPoints-Werte und erlaubte Budgets ausquetschen

Und dann gibt’s da noch einen dritten Trick: Nur nicht verkrampfen! Wenn die Currywurst lockt: Currywurst essen. Wenn Besuch da ist: Die abendliche Flasche Wein genießen. Wenn die gesellige Runde den goldenen Bogen durchschreitet: Burger bestellen. Geburtstag? Ehrentag. Urlaub? Genussphase. Es ist nicht schlimm, zu sündigen, wenn man das Projekt strategisch, also langfristig, betrachtet. Dabei bleiben – das ist wichtig. Aber wenn man sich selbst geißelt klappt’s halt nicht. Und genau so ist’s beim Sport – äh, bei der Bewegung. Zwei Stunden zügiges Wandern bringt weitaus mehr als 30 Minuten Rennen. Leistungssport ist gut für Fitness und Gesundheit, setzt bei mir aber an, egal ob Muskelaufbau oder nicht. Ich mache beides. Und am Sonntag war ich am Vilsalpsee, schnappte mir kurzerhand ein Ruderboot und ruderte 40 Minuten drauf los, einmal hin und zurück. Das Alpenpanorama, die Ruhe, das Plätschern des kristallklaren Wassers – Bewegung kann so schön sein.

Also, meine Bergfestweisheit lautet: Mit vielen kleinen Zwischenzielen, offensiver Kommunikation und einer gesunden Portion Lässigkeit klappt das. Durststrecken und Rückschläge gehören, wie bereits berichtet, dazu. Zum Schluss noch ein dickes Dankeschön an die Coachinnen Susanne Boni und Kirsten Cammann. Ihr seid wirklich klasse!

Und jetzt leere ich zufrieden das vor mir stehende Weinglas und wünsche Euch allen viel Erfolg, ob Ihr nun weniger werden wollt oder nicht.

Neunundneunzigkommaneun!

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Heute mach ich’s kurz, ein verstohlener Blick auf die Uhr rechtfertigt dies doch wohl.

Ich hatte es angekündigt. Wenn heute nicht die 100-Kilo-Marke geknackt wird, werde ich ungemütlich. Angst machen konnte ich damit niemandem. Ein sanftes Lamm wie ich wird mit solchen Äußerungen einfach nicht ernst genommen. Oder doch? Vielleicht lässt mein eigener Riesenkörper sich von solchen Drohungen beeindrucken. Wie sonst lässt sich das kuriose Messergebnis vom heutigen WW-Treffen erklären: 99,9 kg. Knapp. Aber ob knapp oder nicht: Es ist geschafft – der Uhu flattert nun durchs schöne Kempten. War aber auch ein schwerer Weg – ganz besonders auf der letzten Meile. Am Sonnabend streifte ich mit einem guten Freund durchs verregnete Minga und verbrauchte im Vorfeld zu einem unfassbar schönen James-Taylor-Konzert sage und schreibe 130 ProPoints. Wie ich das geschafft habe? Es gibt Dinge, die ein Mann tun muss und über die er schweigen muss. Und trotzdem sind in der letzten Woche 300 Gramm stiften gegangen. Naja – eigentlich waren es 200 Gramm. An dieser Stelle kann ich’s ja beichten: 100 Gramm resultierten wohl aus dem Weglassen meines Gürtels. Aber das ist okay, denn dieses Weglassen bedeutet ja gleichzeitig, dass die Hose auch ohne Hilfsgerätschaften sitzt. Verdient, oder?

Also bette ich nun stolz mein gründlich verschmälertes Haupt auf mein dauniges Kissen und suhle mich in meiner Selbstzufriedenheit. Ist ja immer ein ständiges Auf und Ab bei mir. Endlich Brutto-Uhu!!!

Stressabnahme!

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Ich bin noch da. Ehrlich! Ich muss mich hier nur gerade etwas rar machen, weil es drunter, durch und drüber geht. Die letzten Wochen kam ich kaum dazu, meine Restwampe auf dem Sofa zu betten und meinen Appetit mit verführerisch-leckerer TV-Werbung anzuheizen. Vom Laufen ganz zu schweigen.

Vier Tage internationale Konferenz mit Abendprogramm, Auftritt als Sänger, Arbeitsanhäufung im Büro, Peter Gabriel Konzert in München, Geburtstag. Und jetzt bin ich schon wieder auf dem Sprung nach München: Fototermin, James Taylor Konzert. Morgen bekomme ich dann für eine Woche Besuch. Und ist die Bude aufgeräumt? Natürlich nicht. Und ein Spülmaschinenkauf steht auch noch an. Das meiste davon ist schön und macht Spaß, aber ob positiv oder negativ: Stress bleibt Stress.

Die Erkenntnis: Die Zeit verfliegt wie im Nu und ich habe das Gefühl, die Kilos ebenfalls. Letzten Dienstag bin ich vorm Bandauftritt ganz kurz zum Wiegen bei WW reingehüpft (ja, ich kann jetzt auch hüpfen) und ergatterte meinen vierten Stern. Ich war ein Star – genau die richtige Voraussetzung für einen gelungenen Auftritt, der es dann auch war. Ich bin ja so eine Rampensau. Den berühmten Brutto-Uhu hatte ich zwar noch nicht geknackt, aber ich war nur noch ein Saftglas davon entfernt. Ich will den Tag nicht vor dem Dienstag loben, aber ich glaube, dass ich ihn inzwischen erreicht habe. Stress macht schlank. Kein Wunder. Zum Essen ist eh keine Zeit. Der Mai wird hektisch bleiben. Ab Juni wird’s dann wieder ruhiger. Sagt mein Kalender. Aber der belügt mich leider häufig. Ach ja, und dann kommt ja schon der North Sea Beach Marathon. Ich bin angemeldet. Für zehn Kilometer. Das Ferienhäuschen ist gebucht. Das Margarethenreich ruft. Ich komme!

So, und jetzt ab nach München…

Spargel mit Krokodilstränen

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Huch? Bin ich zu spät?

„Schweißtropfen sind die Abschiedstränen der Fettpölsterchen.“

Sprach die Coachin zum Abschied. Vorher hatte Sie uns noch von den ProPoints-Werten der Sattmacherfliegen berichtet, die einem beim Fahrradfahren – huch, wo bleibt der Zeitgeist – also beim Biken zwischen den Zähnen hindurch, hinterm Gaumen links ab, direkt in den Magen fliegen. Wenn die Lachtränen beim wöchentlich-fröhlichen Treffen mit den Transpirationsliquiden der letzten sieben Tage zusammentreffen, könnte die geballte Flut tatsächlich eine Gewichtsabnahme bewirken. Vielleicht sollte in Kempten ganz innovativ nach dem Treffen gewogen werden. Da ist man dann eh guter Stimmung und strotzt vor Motivation und Elan. Und bei dem Spaß, den wir dort haben, könnte vielleicht noch 100 Gramm Lachabnahme drin sein.

Doch ach, was ist nur mit meinen Lipiden los? Schon wieder nur marginale 200 Grämmchen. Der tränenreiche Abschied liegt denen wohl nicht. Immer mehr festigt sich die Vermutung, dass WeightWatchers gut mit Walken oder langsamen Joggen korrespondiert. Sowie man aber Gummi gibt und den Puls bestzeitenheischend nach oben treibt, scheint es kontraproduktiv zu werden. Muskeln, Glykogen, Wasser hin oder her. Wenn ich im schwäbischen Sprachraum „laufe“ (im Norden sagt man „gehen“), geht’s der Schwarte ans Eingemachte, wenn ich renne (norddt.: „laufe“), stagniert sie oder wird sogar mehr. Meine Schweißtropfen sind also weder ehrlich noch echt. Sie rinnen feist grinsend meine Rundungen herab und lachen sich ins nasse Fäustchen. Na wartet!

Ich weiß, ich fange an, mit dem Sport-Thema zu langweilen. Also gut. Mal was anderes: Heute hatte ich überraschend Besuch von meinen nordischen Eltern. Auf dem Weg in den Urlaub schauten sie für einen Abend vorbei. Und brachten das Schönste mit, was die heimische Lüneburger Heide außer dem sündigen Knipp zu bieten hat: Spargel, Kartoffeln, Schinken. Die Erzeuger bekamen dazu ihre, ich meine Hollandaise. Ich durfte vom Thomy-Quader kosten und war überrascht, dass mir die WW-Variante sogar besser schmeckte. Aber, liebe Schrobenhausener, seid mir nicht bös‘. Aber fahrt mal im Frühling irgendwo zwischen Schwarmstedt und Soltau von der A7 runter, kauft Spargel und Heidekartoffeln. Ihr werdet fortan darüber nachdenken, Eure Felder zu renaturieren oder Reis darauf anzubauen. Denn DAS ist Geschmack. Ehrlich! Welch schönes Geschenk.

Geschenk? Ich erwähne das ja sonst nicht so egozentrisch, aber morgen habe ich Geburtstag. Da muss ich einen ausgeben. Ich werde meine schlanken Kollegen mit zwei WW-Tortenrezepten konfrontieren: Kokos-Käse-Tarte und Mousse-au-Chocolat-Torte. Die werden staunen. Bis Donnerstag sind dann bei uns in der Firma zich Kollegen aus aller Herren Länder – von Brasilien über Südafrika bis nach Indien und China – zu Gast, incl. Abendveranstaltungen. Essen gehen, Sau… äh Trinken, nix mit Wiegen. Also nächste Woche wieder „Hour of Truth“ am Sonnabend im Beisein ausdauernd brabbelnder Kinder. Ich freu‘ mich – ein paar Tage mehr um ENDLICH wieder ein Erfolgserlebnis vorzubereiten.

Und jetzt schaue ich mich nach einer neuen Spülmaschine um, damit das Kochen noch mehr Spaß macht. Mal sehen, ob ich noch irgendwo in den tiefen meiner Speisekammer ’ne Dose Knipp finde. Guten Tag, mein Name ist Erdmann, ich möchte hier einkaufen…

Heißer Tipp Nr. 7:

+++ Mit Stäbchen essen +++

Alternative 1 – „Ich kann nicht mit Stäbchen essen“:
Mit Stäbchen essen! Egal, was auf dem Teller ist. Klappt eh nicht. Der Magen bleibt leer. Unheimlich praktisch und wirkungsvoll.

Alternative 2 – „Ich kann mit Stäbchen essen“:
Entweder statt Reis Mahlzeiten wie Steak, Brötchen und Lammkeulen einsetzen oder andere Stäbchen verwenden. Je größer der Hunger, desto kleiner die Stäbchen. Zahnstocher bieten sich hier an. Oder Streichhölzer.
Der ultimative Doppelnutzen für ganz Kreative: Fischstäbchen. Die zerfallen fettig triefend zwischen den Fingern, das verdirbt den Appetit. Und wenn sie nicht zerfallen gilt Alternative 1.

Guten Hungel!

Goggl ja. Uhu nein.

Uhu-Huhn

Wie schreit man noch gleich virtuell? Ach ja:

KRUZINESEN! DAS KANN DOCH ALLES NICHT WAHR SEIN, VERDAMMICHNOCHMAL!

Gut, ich beruhige mich wieder. Ist aber nicht einfach. Wie lange krebse ich jetzt schon in den Hundertkommairgendwas-Gewichten rum? Lange. Ebenso lange ist es her, dass ich den Netto-Uhu gefeiert habe. Aber brutto wollen mir einfach keine Federn wachsen. Da sprinte ich mir die Seele aus dem Leib, stehe beim Essen mit dem Rohrstock hinter mir selbst, überwinde den Futterneid auf meine Kantinengenossen und … bleibe wie ich bin. Wenn ich das wollte, fräße ich „Du Darfst“-Produkte. Will ich aber nicht. Meine Waage ist in Lebensgefahr. Könnte sein, dass ich mit meinem Übergewicht bald unkontrolliert darauf herumtrample. Miststück.

Aus lauter Trotz habe ich diese Woche gevöllt. Mittags warm, abends warm, Wein und Bier, Eis mit fünf Kilometern Anlauf und beim Auswärts-Spargelessen die Bärlauch-Hollandaise ausgelöffelt. So! Und dann veranstaltete ich gestern abend noch mit ein paar WW-Mitstreitern ein herzhaftes Gogglessen. Ja, mit Pommes! Und es war schön, denn zum einen hat das knusprige Federvieh gar köstlich gemundet und zum anderen war es richtig nett, zusammen mit anderen Leidensgenossen mal fünfundzwanzig (PP) gerade sein zu lassen. Eine fröhliche Runde war das. Hat Spaß gemacht. Und Uhus fressen schließlich Goggl.*

Aber, liebe Leser, lasst Euch nicht von mir demotivieren. Heute werde ich den Reset-Knopf drücken. Ein Neustart muss her. Runter- und wieder hochfahren. Ich werde Rezeptbücher wälzen, Einkaufslisten schreiben, den Dampfgarer entkalken, den Roséwein wieder warm stellen und wie bekloppt durch den Regen rennen. Au revoir, Wochenbonus. Ich taste Dich nicht mehr an.

Heute ist Feiertag. Heißt konkret: Wiegetag fällt aus, da ich an den Alternativterminen keine Zeit habe. Vielleicht ganz gut so, dann kann ich noch eine Woche Sushi futtern. Denn: Wer Algen frisst, kriegt Galgenfrist und ohne Reis keinen Preis. Wasabi nicht schon alles versucht. Ach Soja, das wollte ich noch los werden: Diesem Wutbeitrag folgt ein weiterer heißer Tipp zum Thema Asia-Food. Aber da die meisten ja von oben nach unten lesen, habt Ihr den ja eh schon gelesen. Manchmal verstehe ich mich selbst nicht. Schuhu!

*Allerdings nicht immer, wie ein Klick auf das Bild beweist.

Sport macht dick…

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…oder?

Eine Erkenntnis nach 14 Wochen WeightWatchers irritiert mich. Immer wenn ich auf den Spuren Pheidippides‘ wandele, werde ich wieder mehr. Ein Paradoxon? Nehmen wir nur mal die letzte Woche: Ich glaube, ich habe alles getan, der Welt mitzuteilen, wie stolz ich auf meinen ersten absolvierten Volkslauf war. 5.000 Meter – hätte man mir das vor einem halben Jahr prophezeit, hätte ich denjenigen hässlich als „nostradämlich“ beschimpft. Ich und Laufen. Niemals. Jetzt taumele ich stolz über die Zielline, ergänze den Wahnsinn noch mit dem Ruderporsche und ermüdlichen Situps, halte trotz Heißhungers mein Punktebudget ein, strebe zufriedenst gen WW-Waage und – erlebe mein persönliches Waterloo. 400 Gramm Tsunami. Ist zwar fast nix, aber gerade nach dieser Woche doch eine gewisse Niederlage. Meine Gedanken schweifen zurück. Erschrocken schaue ich mir meine bisherigen Wochenergebnisse an und finde meine Vermutung bestätigt: In allen Wochen, in denen ich tsunam, trieb ich überdurchschnittlich viel Spocht. Kann dem Erdmann mal eben jemand sagen, er solle diese tumben Wortspiele unterlassen? Danke.

Also, was ist das? Zufall oder Gesetz? Jetzt ist es Zeit für Mythen. „Das ist die wachsende Muskelmasse“, rufen die einen und werden von den anderen mit „Du glaubst auch jeden Quatsch!“ gemaßregelt. „Der Heißhunger“, sagen wieder andere. „Budget eingehalten, trotz Carboloading“, rechtfertigt sich der Betroffene. „Wasseransammlungen“, begründen Wissende die grammatischen Ereignisse. Spätestens hier ziehe ich mich schweigend zurück. Ist es das? Wasser? Bin ich ein einziges großes Ödem? Zugegeben, ich trinke zu wenig und manchmal auch zu viel. Aber was soll ich nun daraus folgern?

Keine Sorge, ich bin wegen 400 Gramm nicht suizidgefährdert. Auch schmeiße ich deswegen nicht mit Flinten um mich. Aber dass es zwischen meiner neuen läuferischen Leidenschaft und diesem Selbstversuch einen Konflikt zu geben scheint, sorgt mich etwas. Aber nur etwas, denn seit heute ist der angekündigte Blitzsommer eingekehrt und da geht’s rein in die Laufschuhe und raus in die Natur. Nee, lieber Körper, mit Deinem missgünstigen Boykott kommst Du nicht weit. Ich bin der Boss. Dass das ein für alle Mal klar ist!!!

Wie immer noch ein Wort zum letzten Treffen. Dieser Blog scheint sich durchzusetzen. Ich komme rein und schon kommen die Fragen: Wie war der Lauf? Was macht der linke Fuß? Hast Du Aldi Süd leer gekauft? Hat der Osterhase jetzt Urlaub? Ich lerne die „Leidensgenoss(inn)en“ immer besser kennen und sie wachsen mir langsam ans Herz. Die Coachinnen lassen nicht nach und motivieren mit Witz und guter Laune, dass es nur so eine Freude ist. Eigentlich wollte ich mich am letzten Dienstag mit ihnen verduzen, aber ich hab’s glatt vergessen. Na dann beim nächsten Mal. Und wenn dann nicht eine Auszeichnung fällig ist, dann…

P.S.: Bei der Suche nach einem passenden Bild für diesen Beitrag stieß ich auf zwei recht interessante Artikel. Zum Lesen einfach hier und hier klicken. Bin gespannt, was Ihr davon haltet. Ist das der Weisheit letzter Schluss?

6.549 Herzschläge verbrennen 793 kcal

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Es ist geschafft. Die Mauke war still und hat sich unheimlich brav benommen. Und ich sitze nun wieder vor meinem Computer. Etwas erschöpft, aber stolz wie Oskar. Weiß übrigens jemand, welcher Oskar in dieser Redewendung eigentlich gemeint ist? Ich nicht. Also, nun sitze ich hier und werte mit roten Ohren die Ergebnisse meiner Pulsuhr aus. Damit das auch jeder nachvollziehen kann, gibt’s heute ein paar Extrabilder. Einfach draufklicken, dann wird’s größer:

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Stark, was die Technik heute so zustandebringt, nicht wahr? Ja, und was sagt uns das jetzt? Folgendes:

1. Ich hatte mit 45 Minuten gerechnet und stolperte schon nach knapp 37 Minuten sabbernd ins Ziel.

2. Schaut Euch mal den irrsinnigen Endspurt an. Showeinlage fürs Fotofinish. Noch ein Herzschlag mehr, und ich wäre gestorben.

3. Ich habe so gut wie keine Gehpausen eingelegt. Na gut, ganz kurz am Krematorium (0:17), aus Pietät, und am Schlosspark (0:32), um die schönen Blumen anzuschauen.

4. Bei 0:31 hat mich ein Geisterläufer nach dem Weg gefragt, deshalb ging der Puls kurz runter. Nein, war’n Scherz. Der wahre Grund bleibt mir wohl für immer verborgen.

Nur schade, dass die Auswertung noch nicht im Internet veröffentlicht ist. Ich wüsste gerne meine offizielle Zeit und meine Platzierung. Aber eigentlich auch egal. Geschafft, das ist das was zählt. Aber am Anfang kam schon Frust auf, als mich spielende Kinder, geschobene Rollstühle und Nordic Rentner en masse überholten. Junge, was bin ich doch langsam. Aber dafür konnte ich mein Tempo so gut wie konstant halten. Pah! Und ich war danach noch so „fit“, dass ich noch meinen Chefs beim Start zum Halbmarathon zujubeln, ein sündhaft leckeres Grillsteak verdrücken und anschließend zur Messe in die BigBox watscheln konnte, um die lieben WW-Coachinnen dort zu besuchen.

Naja, jetzt kann ich mich nach all dem nudeligen Carboloading wieder voll und ganz auf WW konzentrieren. Sonst krieg ich am Dienstag noch Schimpfe. Ich will doch WW-Uhu werden. Und den vierten Stern. Und die 25-Pfund-Urkunde. Und mein Zielgewicht habe ich ganz frech jetzt mal auf Anfang September festgesetzt. Aber das ist eine andere, eine gaaanz lange, eine fast schon futuristische Geschichte, die ein andermal erzählt werden soll. Jetzt hänge ich mir erstmal meine Medaille um den Hals und nehm sie nie wieder ab. Na gut…


Nachtrag: Meine Zeit lautet 0:36:21. Und es waren noch drei männliche Läufer hinter mir. Ein U14, ein U18 und ein Ü60. Yippie. Ich war nicht der Letzte, sondern der Zweihundertfünfundsechzigste.

Mein linker Fuß oder Undank ist der Welten Lohn

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Ich wurde als zehntes von dreizehn Kindern einer irischen Familie geboren und war fast vollständig gelähmt… Halt! Halt! Ist ja Quatsch, ich wollte ja nicht die großartige Geschichte von Christy Brown erzählen, sondern von einem anderen linken Fuß berichten, nämlich dem meinen. Das Wort „linker“ ist hier durchaus doppeldeutig zu verstehen. Denn es geht zum einen um den Fuß, bei dem der große Zeh rechts ist und zum anderen um meinen hundsgemeinen, fiesen – eben linken – Fuß, den undankbaren.

Diese alte hinterhältige Gliedmaße maßt es sich an, einfach mal im ungünstigsten Moment Schmerzen zu produzieren. Dabei sollte der unwirsche Treter ob meiner Gewichtsabnahme eigentlich zufrieden sein. Denn – und das sei hier eingeschoben – am Dienstag erhielt ich diesen unheimlich handschmeichlerischen Schlüsselanhänger. Ich nenne ihn „Klimperklamper“, da er diesen hübschen Klang gemeinsam mit meinen Schlüsseln regelmäßig zum Besten gibt. Zehn Prozent habe ich nun abgenommen und nächste Woche werde ich hoffentlich auch nach WW-Maßstäben Uhu. Wenn alles gut läuft, sacke ich sogar noch Stern Nummer Vier ein.

Und was macht o Sohle mio? Schmerzt. Ist beleidigt, weil ich mich letzten Freitag erdreistete, 3000 Meter am Stück zu laufen. Seitdem möchte die blöde Mauke die Erde nicht mehr berühren. Wenn doch, sendet sie ein fieses Stechen vom Fußballen direkt ins Hirn. Was nun? Sonntag ist der große Lauf. Bis dahin muss das Gehwerkzeug sein altes inneres Gleichgewicht wiedergefunden haben. Sonst haben wir langfristig ein Problem miteinander. Drückt mir die Daumen, liebe Leser. Ich will an- und auftreten. Wär doch gelacht. Und wenn der linke Fuß link ist und streikt, dann tret ich ihm kräftig in den Ar… äh, in die Ferse. Das solltet Ihr Euch nicht entgehen lassen. Könnte eine lustige Slapstickeinlage werden. Ich bin übrigens der große Nichtmehrganzsodicke mit dem blauen „Norddeutsch“-Laufshirt – falls das nicht von meinem blau-gelben Arbeitgeberleibchen verdeckt wird. Wohlan! Anima Sana in Corpore Sano.

Ach, was ich noch erzählen wollte: Beim letzten Treffen antwortete eine Teilnehmerin auf die Frage, was ihr beim Abnehmen helfe: „Der Blog von Herrn Erdmann! Die Texte motivieren mich“. Ganz lieben Dank, Gina. Das tat wirklich gut…

Heißer Tipp Nr. 6:

+++ Warmer Wein +++

Wenn eine dieser unverfrorenen Rosé- oder Weißweinflaschen unerwartet in mein privates Heim eindringt, dann wird sie herzlos ins Wohnzimmerregal verbannt. Bei Raumtemperatur. Wenn ich dann – was ja erstaunlicherweise immer seltener vorkommt – vor der Glotze sitze und die Gelüste auf gut gekühlten Rebensaft mich ereilen, muss ich ihn erst herunterkühlen. Das kostet Zeit, in der mein Heißdurst meistens schon wieder verlischt. Denn auf zimmerwarmen Weiß- oder Roséwein steht ja bekanntlicherweise zu Recht die Todesstrafe.

Gerade fällt mir ein. Vielleicht sollte ich künftig den Rotwein in den Kühlschrank stellen. Könnte den selben Effekt haben, nur andersrum. Ach, ich bin aber auch ein plietsches Kerlchen.