17 Kilo! Junge Junge, das muss man sich mal vorstellen. In nicht einmal fünf Monaten. Mitte Januar war ich noch ein mürrischer Klops, der sein unzufriedenes Dasein größtenteils in römischer Genusspose auf seinem Lectus Triclinaris fristete. Ich sehe noch vor mir aufgereiht nahezu alles was Pizzaservice und McDonald’s so hergaben. Ich bestellte nicht etwa einen Insalata Mista. Nein, es war eine Riesenpizza mit Huhn, Spaghetti und Sahnesauce. Und zum Nachtisch durfte es noch ein komplettes Nudelgericht sein. Beim Drive-In gab’s nicht einen Burger, nicht zwei, sondern drei. Mit Pommes und Mayo. Ich kannte jede Gerichtssendung, jeden Vorabendkrimi und jede Casting-Show. Die Flimmerkiste war mein bester Freund.
An Casting-Shows komme ich auch heute nur selten vorbei. Und bei McDonald’s habe ich gerade heute meine 1,9-Kilo-Wochenabnahme belohnend zelebriert. Aber was früher DSDS war, ist jetzt The Voice of Germany und aus dem 3-Burger-Menu wurde der Grilled Chicken Salad und – wenn ich besonders ruchlos bin – auch mal ein Hamburger. Ja, ich höre die WW-Facebook-Mitglieder jetzt völlig berechtigt spitz aufschreien und greinen, dass ich doch gerade eben nach den Punkten für Teamburger und Chicken Sticks gefragt habe. Asche auf mein Haupt! Ich habe sage und schreibe 25 Minuten in der Schlange gestanden, da musste ich einfach trotzig aus der Rolle fallen. Erstaunlich, dass bei einem Kassenfehler gleich vier (!) Donaldinen gleichzeitig versuchen müssen, das Problem zu lösen und dabei die hungrig geifernden Mäuler in den anderen Schlangen ihrem Schicksal überlassen. Aber das nur am Rande.
Die schönste Erkenntnis meiner kleinen 17-Kilo-Feier war, dass mir das WW-Verhalten inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen ist. Die guten Gewohnheiten nisten sich also an den Stellen ein, die aufgrund des Massenexodus meiner Lipide leer stehen. Lebt wohl, Blut- und Körperfett, willkommen Ernährungsbewusstsein. Den schwierigsten Lernprozess macht dabei wohl mein stattlicher Riechkolben durch. Wenn er vor nicht allzu langer Zeit eine Currywurst erschnupperte, hatte er noch das Sagen und setzte seinen Willen durch. Heute hat der Zinken es da etwas schwerer, denn da reden jetzt so einige mit: Hirn, Gewissen, Endorphine, Laufmuskeln, Gaumen und sogar die Augen. Change Management heißt hier die moderne Herausforderung.
Die letzte Woche war purer Stress. Ich musste eine wichtige Entscheidung fällen, die mich an den Rand des Erträglichen gebracht hat. Ein Jobwechsel stand zur Debatte. Verlassen der lieb gewonnenen Komfortzone? Nach fast zehn Jahren kündigen? Umziehen von der Provinz in die große Stadt? Neuanfang? Da hatte ich nun wirklich keine Zeit, mich gedanklich großartig auf WW zu konzentrieren. Aber siehe da: Trotzdem folgte ich unbewusst weiter den Regeln und verlor in einer Woche 1,9 Kilo.
Aber bevor ich hier wie ein unschuldiges und auf ewig geläutertes Englein da stehe: Ich fresse immer noch Burger, Steaks und Nudelberge und saufe Bier, Whisky und Wein. Nur alles etwas gemäßigter und in gesundem Wechsel mit Grünzeug, Sattmachern, Mate und Wasser. Und beim geringsten Anlass schlage ich hemmungs- und maßlos zu. Aber am Ende der Woche stimmt halt doch das Punktebudget. Noch fünf Kilo und ich bin nach BMI gesund. Bleibt nur noch der obligatorische Anschauungsunterricht für Euch, liebe Leser. Nachstehend wie schon so oft, ein paar 17-Kilo-Beispiele.
Und übrigens: Ja, ich habe den Neuanfang gewählt. Große Veränderungen stehen an. Vorfreude und Panik wechseln sich ab. Aber erstere gewinnt immer mehr die Oberhand. Seltsames Jahr, dieses 2012: Abnehmen, Laufen, iPad, Jobwechsel, Landflucht und nicht zuletzt auch dieser Blog. Was da wohl noch alles kommt.
Und noch übrigenser: Zursahne war heute im Treffen wieder bestens in Form. Wobei ich nun – und das ist eine Weltpremiere – ausnahmsweise doch mal mäkeln muss. Keine Angst, Zursahne, nicht an Dir. Ganz im Gegenteil. Ich muss nur immer wieder über die weiblichen Multitasking-Talente einiger Teilnehmerinnen staunen. Gleichzeitig zuhören und sich angeregt unterhalten – das möchte ich auch mal können. In der Schule gab’s für diese Schwatzhaftigkeit schon mal ’nen Eintrag ins Klassenbuch. Ist doch auch eine Sache des Respekts für die Vortänzerin, oder? 😉

