„Schweißtropfen sind die Abschiedstränen der Fettpölsterchen.“
Sprach die Coachin zum Abschied. Vorher hatte Sie uns noch von den ProPoints-Werten der Sattmacherfliegen berichtet, die einem beim Fahrradfahren – huch, wo bleibt der Zeitgeist – also beim Biken zwischen den Zähnen hindurch, hinterm Gaumen links ab, direkt in den Magen fliegen. Wenn die Lachtränen beim wöchentlich-fröhlichen Treffen mit den Transpirationsliquiden der letzten sieben Tage zusammentreffen, könnte die geballte Flut tatsächlich eine Gewichtsabnahme bewirken. Vielleicht sollte in Kempten ganz innovativ nach dem Treffen gewogen werden. Da ist man dann eh guter Stimmung und strotzt vor Motivation und Elan. Und bei dem Spaß, den wir dort haben, könnte vielleicht noch 100 Gramm Lachabnahme drin sein.
Doch ach, was ist nur mit meinen Lipiden los? Schon wieder nur marginale 200 Grämmchen. Der tränenreiche Abschied liegt denen wohl nicht. Immer mehr festigt sich die Vermutung, dass WeightWatchers gut mit Walken oder langsamen Joggen korrespondiert. Sowie man aber Gummi gibt und den Puls bestzeitenheischend nach oben treibt, scheint es kontraproduktiv zu werden. Muskeln, Glykogen, Wasser hin oder her. Wenn ich im schwäbischen Sprachraum „laufe“ (im Norden sagt man „gehen“), geht’s der Schwarte ans Eingemachte, wenn ich renne (norddt.: „laufe“), stagniert sie oder wird sogar mehr. Meine Schweißtropfen sind also weder ehrlich noch echt. Sie rinnen feist grinsend meine Rundungen herab und lachen sich ins nasse Fäustchen. Na wartet!
Ich weiß, ich fange an, mit dem Sport-Thema zu langweilen. Also gut. Mal was anderes: Heute hatte ich überraschend Besuch von meinen nordischen Eltern. Auf dem Weg in den Urlaub schauten sie für einen Abend vorbei. Und brachten das Schönste mit, was die heimische Lüneburger Heide außer dem sündigen Knipp zu bieten hat: Spargel, Kartoffeln, Schinken. Die Erzeuger bekamen dazu ihre, ich meine Hollandaise. Ich durfte vom Thomy-Quader kosten und war überrascht, dass mir die WW-Variante sogar besser schmeckte. Aber, liebe Schrobenhausener, seid mir nicht bös‘. Aber fahrt mal im Frühling irgendwo zwischen Schwarmstedt und Soltau von der A7 runter, kauft Spargel und Heidekartoffeln. Ihr werdet fortan darüber nachdenken, Eure Felder zu renaturieren oder Reis darauf anzubauen. Denn DAS ist Geschmack. Ehrlich! Welch schönes Geschenk.
Geschenk? Ich erwähne das ja sonst nicht so egozentrisch, aber morgen habe ich Geburtstag. Da muss ich einen ausgeben. Ich werde meine schlanken Kollegen mit zwei WW-Tortenrezepten konfrontieren: Kokos-Käse-Tarte und Mousse-au-Chocolat-Torte. Die werden staunen. Bis Donnerstag sind dann bei uns in der Firma zich Kollegen aus aller Herren Länder – von Brasilien über Südafrika bis nach Indien und China – zu Gast, incl. Abendveranstaltungen. Essen gehen, Sau… äh Trinken, nix mit Wiegen. Also nächste Woche wieder „Hour of Truth“ am Sonnabend im Beisein ausdauernd brabbelnder Kinder. Ich freu‘ mich – ein paar Tage mehr um ENDLICH wieder ein Erfolgserlebnis vorzubereiten.
Und jetzt schaue ich mich nach einer neuen Spülmaschine um, damit das Kochen noch mehr Spaß macht. Mal sehen, ob ich noch irgendwo in den tiefen meiner Speisekammer ’ne Dose Knipp finde. Guten Tag, mein Name ist Erdmann, ich möchte hier einkaufen…
