Erfolgreiche Pause

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An alle, die geduldig dabei bleiben und ihr Abo für meinen Blog noch nicht gekündigt haben: Ich bin noch da, aber alles ist anders, wobei ich mir sicher bin, dass bald wieder Vieles unanders wird.

Es ist unheimlich viel passiert: Am 1.10. trat ich meinen neuen Job an und machte mich dazu mit meinem neuen Auto auf den Weg nach München, vollgepackt bis zu Dachkante. 10 Minuten vor Dienstantritt bzw. 200 Meter vorm Büro schob mich ein übermotivierter Taxifahrer von der Straße auf den Kantstein. Anruf beim neuen Arbeitgeber. Es könnte dauern. Es dauerte. Um halb zwölf parkte ich den Mietwagen vorm Büro. 9.000 Euro Schaden an dem Wagen, den ich erst drei Tage zuvor gekauft hatte – ein guter Anfang. Glücklicherweise traf mich keine Schuld. Noch am selben Abend bezog ich dann meine kleine Übergangswohung in Trudering. Schlafzimmer, Bad und Wohnküche, kein Wohnzimmer. Ich verbringe gerade viel Zeit im Bett. Der Job läuft nach anfänglichen Schwierigkeiten nun recht gut an, mein Leben als Münchener eher schleppend. Aber ich möchte nicht mit Details langweilen.

Dumm ist, dass mein linkes Knie gerade mürrisch ist und seinen schmerzlosen Dienst verweigert. Vielleicht war’s der Unfall, vielleicht nicht. Auf jeden Fall fand der München Marathon heute leider ohne mich statt. Ich hockte statt dessen in meiner alten Wohnung und packte Umzugskartons. Mist! Am 26.10. startet der „Move“, und ich kann’s kaum erwarten, mal wieder etwas System in mein Leben zu bringen.

Worum ging dieser Blog noch gleich? Ach ja. Zum Weightwatchen bin ich in all dieser Zeit nicht gekommen. Nicht mal angemessen verabschieden konnte ich mich bei Zursahne und Co. Aber das hole ich ganz bestimmt nach. Aber dieser Beitrag soll nicht völlig themenfremd enden: Ich habe offensichtlich das Prinzip verstanden, dass es sich bei WW nicht um eine Diät, sondern um eine Ernährungsumstellung handelt. Und mein Körper hat das wohl auch geschnallt. Ich habe in den letzten zwei Wochen keinen Gedanken an ProPoints und Co. gefasst umd trotzdem lobte mich meine Waage heute dafür, dass ich mein Gewicht konstant halten konnte. Obwohl ich wahllos zugriff. Fest und flüssig. Da hat sich wohl schon ein nützliches System eingeschlichen.

Liebe Leser, liebe Interessenten. Gebt mir noch ein bis zwei Wochen Zeit, dann lege ich wieder mit voller Kraft los. Auch im Nordosten von München gibt es ganz sicher WW-Treffen, auch wenn die Kemptener Mannschaft ganz sicher unschlagbar ist. Und wenn etwas Ruhe eingekehrt ist, lasse ich mich dort ganz sicher nochmal blicken. So leicht werdet Ihr mich nicht los.

A Propos: Morgen geht mein Auto wieder in die Werkstatt. Übersehener Schaden. Vielleicht hat sich die Limousine in einen schmucken Automechaniker verguckt? Wenn ja, werde ich darüber berichten…

Hatte ich’s eigentlich schon erzählt?

Brain

Nein? Oh. Na dann wird’s aber mal wieder Zeit. Ich vergesse zur Zeit recht viel – in diesem Lebensumstellungschaos. „Change Management“ nennen das die Schlauköpfe dieser Welt. Wenn nur einer von diesen Experten jetzt auf meinem Sofa säße und mich professioniell beriete wäre das ein guter Anfang. Aber ich wollte ja berichten:

Am vorletzten Dienstag hatte ich meine karnivore Zwangspause beendet und mich wieder auf die Unerbittliche gestellt. Doch sie war mir wohl gesonnen. Ich hatte es tatsächlich geschafft, wieder auf den Vorpausenstand zurückzukehren. Naja, fast. 300 Gramm mehr. Das war die schönste Zunahme meiner WW-Historie. Weiter geht’s…

Aber was ist mit dem Spocht? Nach Bamberg hatten auch meine Laufschuhe Urlaub. Vom Erfolg motiviert schlüpfte ich hinein, verkabelte mich mit dem Laufcomputer und fuhr an den traumhaften Grüntensee. Ein mal Rum – äh rum – bitte! Eins zwei, eins zwei, ei…ns … zw… Was war das denn? Nach zwei Kilometern ging gar nichts mehr. Aus. Vorbei. Beine schwer. Muskelschmerzen. Puste weg. Nach drei Wochen Pause??? Also, ich muss schon sagen: Der Endspurt zum Wunschgewicht ist ein echter Kraftakt. Kann doch nicht sein. Also, einmal rum gegangen. Frustriert nach Hause. Resches Hühnchen. Bier. Bett.

Am letzten Dienstag war dann wieder Treffen angesagt und man traf sich auch. Ohne mich. Nein, ich habe nicht geschwänzt, sondern mit meinem Makler Interessenten für meine Noch-Wohnung ob ihrer Solvenz ausgequetscht. Das dauerte länger als geplant. Also stellte ich mich feierlich auf meine eigene Waage und stieg kopfschüttelnd wieder herunter. Nicht mehr und nicht weniger. Ich lamentierte nicht. Ich hinterfragte nicht. Es war mir gelinde gesagt Wurst, und zwar so richtig Salami. Ich stellte mich trotzig in die Küche und buk 65 (!) äußerst leckere WW-Muffins (Himbeer-Mascarpone und Schoko de Luxe). Für meine Kollegen, denn der Abschied nahte.

Aber mal ehrlich: Wie soll man sich auf WW konzentrieren wenn man ständig Wohnungen sucht, Wohnungen vermietet, Autos kauft, Jobs übergibt, Abschied feiert und Umzüge vorbereitet. Seit heute bin ich im Resturlaub. Wohnung(en) sind gefunden. Autokauf läuft immer noch und mein in 10 Jahren angesammelter Hausrat spricht sehr renitent mit mir. Trotzdem versuchte ich es gestern nochmal mit meiner 6,5km-Standardrunde – und schaffte sie. Nicht so rasant wie sonst, aber egal. Am 14.10. droht der 10km-Münchenlauf. Ich bin angemeldet, das war nicht billig. Also habe ich jetzt vier Wochen Zeit, wieder in Form zu kommen.

Und was war noch gleich mit WW? Gehört doch zusammen. Morgen ist mein vorletztes Treffen in Kempten, denn am 01.10. beginnt der neue Job in München. Mal sehen, was noch so zu reißen ist. Das Wunschgewicht wird’s wohl nicht. Aber vielleicht schaff‘ ich ja noch den Uneu.

Bierologisch-karnivore Zwangspause

Fressen

Huh. Fast einen Monat her, dass ich mich hier ausließ. Ich falle vor meinen Lesern um Vergebung flehend auf die Knie und komm‘ nicht wieder hoch. Ich bin zu schwer. Es ist aber auch wie verhext. Seit der Jobwechsel ansteht geht’s drunter und drüber, leider auch was mein Gewicht angeht. Nach meinem letzten Eintrag trat tatsächlich das Wunder ein. Ich hatte trotz Tollwood satte 1,2 Kilo weniger. Stern Nummer sechs. Hach, was war ich froh. Und wochs drauf nochmal 900 Gramm. Minus 19 prangt bis heute in meinem Teilnehmerbuch. Bis heute. Richtig. Aber nur weil ich seitdem nicht mehr im Treffen war. Das Chaos nahm seinen Lauf.

Da war zum einen Ameeerikaaa. Eine Woche Ohio. Geschäftlich. Heißt: Geschäftsessen reihte sich an Geschäftsessen. Es gibt dort offensichtlich im Gründerland von WW eine Untergrundorganisation zur Unterwanderung der WeightWatchers-Regeln durch guten Geschmack. Ich nenne sie die „SteakWatcher“ oder die „TripleChocolateCakeWatcher“. Denn Letzteres scheint die Spezialität der dortigen Provenienz zu sein. Ich fraß. Und ich fraß. Nebenbei fraß ich noch etwas, nur unterbrochen von kurzen Fresspausen. Mexikanisch, Französisch, Italienisch, Fast Food, Lunchboxes, Sandwiches – alles mit US-amerikanischer Liebe zubereitet. Ansonsten Meeting nach Meeting nach Meeting. Keine Zeit zum Rennen. Aber es war schön.

Zurück, wo die Wiesen grüner sind als anderswo, zeigte die Unerbittliche eine Zunahme von fünf, in Worten „5“, Kilo an. „Heidenei!“ rief ich mir entsetzt zu und schlüpfte in den Joggingdress. Nun muss ich an dieser Stelle ausplaudern, dass ich Fan von schicken Kurvendiagrammen bin. Aber mitnichten, wenn diese ständig nach unten zeigen. Also schwänzte ich das Treffen und ersetzte es durch Training und war auch bald darauf wieder auf Minus 18. Puh. Was man schnell anfrisst, kann man auch schnell wieder loswerden.

Dann kam Bamberg. Letzte Woche. Wofür ist Bamberg bekannt und warum fährt man dahin? Richtig. „U“ steht für „ungespundet“ steht für „naturtrüb“ steht für Kellerbier. Auf den sonnigen Kellern der Bamberger Altstadt lässt es sich aushalten und vor allem abschalten. Ich war satt von Wohnungsbesichtigungen und nächtelangen ImmoScout-Besuchen. Nicht satt war ich der fränkischen Speisen. Ein Bamberger Schäuferla kann ein Fleischfresser wie ich nicht ablehnen. Wollte ich auch gar nicht. Das war mein Wochenende. Am Sonntag kam ich zurück und sündigte auf der Allgäuer Feschtwoch gleich weiter. Gestern morgen zeigte die Vermaledeite wieder drei Kilo mehr an. Trotz bullig heißem 10-Kilometer-Tropenlauf am Sonnabend. Und die Sache mit den Diagrammen wisst Ihr ja nun. Jetzt sitze ich hier, schwänze erneut und wappne mich für weitere gerannte Kilometer.

Die Coachinnen werden dies nun lesen und voller Tadel und Berechtigung ihre Stirnen in Falten legen. „Hey, nicht drücken! Ab ins Treffen! Motivieren lassen! Weiter! Weiter! Weiter!“ Und ich senke reumütig mein Haupt – aber nur kurz, sonst kann ich diesen Bildschirm ja nicht mehr sehen – und unterlasse Ausreden. Es sind die Diagramme. Und die SteakWatcher. Und die BierWatcher. Um auf den vorchaotischen Stand zu kommen, braucht es nun weitere fünf Kilo. Dabei wollte ich vor meinem Neuanfang fertig werden, Gold werden.

Aber: Es war alles unheimlich schön. Es war alles unheimlich lecker. Und es war alles unheimlich wert, ein Rückwärtspäuschen einzulegen. Also liebe Coachinnen. Ich bin nicht weg. Ich komme wieder. Hasta la vista, Baby. Der Fettzellenterminator ist nicht geschlagen.

Alles richtig gemacht, und doch…

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Wüsste ich den richtigen, den einzigen Weg, sähe ich bereits aus wie eine Gerte.

Schon wieder etwas her, dass ich das letzte Mal meine virtuelle Tinte in diese Seite schüttete. Es ist dieses Auf und Ab und das Gefühl, bei seinem – nicht ganz zufriedenstellenden – Endgewicht angekommen zu sein, das mir ein wenig den Spaß versaut hat. Wisst Ihr noch, beim letzten Mal polterte ich meinen Ärger hinaus, dass es einfach nicht mehr weitergehen will. Und ich versprach, in der darauf folgenden Woche die Gesamtzunahme der letzten Wiegetermine in Höhe von einskommavier Kilo wieder auf einen Schlag wettzumachen. Und ich kann Euch sagen, ich hatte Erfolg. Eisernes Punktezählen, Beschränkung auf gemüsige Beilagen im innerbetrieblichen Gourmettempel, Verbannung jeglichen Gersten- und Rebensaftes aus dem Kühlschrank, dazu ein Drei- und ein Zehnkilometerlauf. Resultat: Zwei Kilo weniger. Nur ganz knapp (400 Gramm) den sechsten Stern verpasst. Ich war euphorisch und gäbe es eine Note für mündliche Beteiligung beim WW-Treffen, hätte ich wohl eine Eins bekommen. Ich tat wie ein Sieger, mischte mich motivierend überall ein und grinste breit bis über beide Ohren.

Letzte Woche war ich dann wieder ganz still.

Ich hatte den selben Wochenablauf wie in der Erfolgsphase. Wieder Häppchenzählen, wieder zehn Kilometer, wieder schmerzlicher Verzicht auf kulinarisch in den letzten Jahrzehnten Liebgewonnenes. Am Tag X selbst gab’s nur Hasenfraß. Ich rannte x-mal die 90 Stufen meines Arbeitgeberhäuschens rauf und runter und beschwingte mich fröhlich ins Treffen. Stolz verkündete ich Zursahne, dass mir eine Abnahme von 400 Gramm völlig ausreiche. Sechster Stern eben. Doch dann das bekümmerte Gesicht hinter der Waage. Leider nein. 700 Gramm Zunahme.

Das ist ja per se kein Beinbruch. Aber das war wirklich das erste Mal, dass ich komplett von den Socken war. Nie war ich meiner Sache so sicher gewesen, und dann das. Was war denn nun los? Die Coachin fragte mich, ob ich am selbigen Tag viel getrunken hätte. Ich begann, ihr die Geschichte vom Mate-Tee und dessen Auswirkungen zu erzählen, was sie verständlicherweise gar nicht ganz so genau wissen wollte. Also setzte ich mich auf meinen gelben Stammplatz und lauschte den Erfolgen der Anderen. Ich war ja gewohnt, dass ich nach dem Treffen eh wieder besänftigt von dannen ziehen würde. Aber dies mal rief ich mit aller aufzubringenden Misanthropie meinen Frust dazwischen. Kann ja wohl nicht sein. Alles Schei…, Deine Elli. Mein letzter Stern ist schon sechs(!) Wochen her. Ich nannte ihn genau genommen nicht „Stern“, sondern gramerfüllt „Papierschnipsel“, was mir einen gut gemeinten Tadel bezüglich meiner Wertschätzung gegenüber den WW-Devotionalien einbrachte. Besänftigend nahm ich mir schriftlich vor, genauso weiter zu machen, denn ich war mir ja keiner Schuld bewusst.

Heute bin ich gut gelaunt, da ich bei bestem Laufwetter den Grüntensee in einer Stunde umrundete. Ist aber auch ein schönes Fleckchen, dieses Allgäu. Aber ich habe meinen Auftrag nicht erfüllt. Es kamen Anlässe über Anlässe dazwischen. Ich fraß Schnitzel, Currywurst & Co. und erwarb gestern auf dem Tollwood-Festival als Stärkung für das Lady Antebellum-Konzert ein Spanferkel-Ochsenfetzen-Bio-Knauzen an zweierlei vom Bier. Der Regen machte zwar aus dem zweiten Bier eine Bierschorle, aber geschmeckt hat’s trotzdem. Das weltgrößte Feuerwerk überm Olympiastadion rundete einen rundum gelungenen Tag ab.

Das Schöne ist, dass ich mich nicht wundern würde, zeigte die Vermaledeite am Dienstag trotzdem wieder eine Abnahme an. Wegen Unverkrampftheit. Schaun mer ma.

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Soweit die Füße tragen…

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Die Lösungen zu des Läufers Problemen können so einfach sein, wenn man sie nur kennen würde. Dabei liegt es doch auf dem Fuß: Wenn bei 5000 Metern regelmäßig die Puste ausgeht und die Laufzeit immer fast exakt gleich ist, gibt es ja eigentlich nur eine logische Konsequenz, auf die ich von Ehrgeiz zerfressener Mitdemkopfdurchdiewand aber selbst nicht kam. Der Laufpapst höchstselbst, Herbert Steffny, musste den Knoten lösen. Er schrieb mir, ich solle einfach mal Tempo rausnehmen. Nicht die Strecke würde töten, sondern das Tempo.

Nun lief ich ja bei Wettläufen bisher schon mit den Ü70ern gemeinsam ein und war froh, dass an der Ziellinie überhaupt noch jemand da war, um mich in Empfang zu nehmen. Beim Kemptener Stadtlauf überholten mich sogar Walker und Rollstuhlfahrer. Aber ich meine hey, mich hetzt ja keiner. Also los, dachte ich mir, und los ging’s. Dazu sei gesagt, dass meine Allgäuer Heimatstrecke wie auch mein Läuferleben von vielen Höhen und Tiefen geprägt ist. Kurz vor Kilometer 2 kam dann auch schon der Berg vorm Bienenhotel, den ich sonst nur schnaufend hochstapfen konnte. Und ich merkte, irgendetwas war anders. Ich lief (also joggte, liebe Allgäuer) ihn hoch. Unfassbar. Irgendwie ging alles recht leicht. Nach 3,5 Kilometern folgte ich dann Robert Frost (Zwei Wege boten sich mir dar, und ich nahm den der weniger betreten war.) Ich geriet auf einen von zich Allgäuer Schwerstgewittern völlig aufgesumpften Wiesenpfad. Die Sonne brannte. Bremsen aßen meine Wade. Cross-Running? Hatte ich eigentlich nicht vor, aber umkehren war tabu. Bei Kilometer 6 kam ich endlich wieder auf eine Straße, die ihren Namen verdient. Ich bin definitiv Asphaltläufer. Welch Genuss, obwohl nun eine endlose Steigung folgte. Ich starrte auf den Boden, schwang die Arme wie Forrest Gump und joggte mit Tippelschritten weiter. Ich sah das herrliche Alpenpanorama … ja gut, hin und wieder habe ich doch mal hochgeschaut … und ließ mich durch den vermaledeiten Grünten ablenken, den ich nach fast 10 Jahren noch immer nicht bestiegen habe. Huch! Die Steigung war geschafft. Abwärts zu der einsam im Wald gelegenen Zimmermannswerkstatt. Der Seniorzimmermann spielte immer noch Rummikub mit seiner Frau. Wie schon auf dem Hinweg. Beide schauten mir murmelnd nach. Der Rest verlief am Rande meines Lebens. Ab. Auf. Auf. Ab. Auf. Auf. Ab. Sagt mal, wer um alles in der Welt hat eigentlich das Allgäu gebaut? Hatte er zuviel Sand und Steine übrig? In Dänemark war’s leichter.

Aber dann kam ich wieder auf meine Heimstrecke. Meine Uhr zeigte 9 Kilometer an, der letzte Rest war Kür. Ich zog nochmal an, bis mir vor meiner Haustür die Beine versagten. Ich lehnte mich an mein Auto und dachte nicht an Schokolade. Endorphine hatte ich genug. Nach – genau hinlesen – elf, in Worten 11, Kilometern!!!

Duschen. Trinken. Schlafen.

P.S.: An dieser Stelle möchte ich ausnahmsweise mal Werbung machen. Wer sich für’s Laufen interessiert, sollte nicht an Herbert Steffnys Laufbibel vorbeilaufen. Gibt für knapp 30 Euro hier bei Amazon.

In Fleisch und Blut

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17 Kilo! Junge Junge, das muss man sich mal vorstellen. In nicht einmal fünf Monaten. Mitte Januar war ich noch ein mürrischer Klops, der sein unzufriedenes Dasein größtenteils in römischer Genusspose auf seinem Lectus Triclinaris fristete. Ich sehe noch vor mir aufgereiht nahezu alles was Pizzaservice und McDonald’s so hergaben. Ich bestellte nicht etwa einen Insalata Mista. Nein, es war eine Riesenpizza mit Huhn, Spaghetti und Sahnesauce. Und zum Nachtisch durfte es noch ein komplettes Nudelgericht sein. Beim Drive-In gab’s nicht einen Burger, nicht zwei, sondern drei. Mit Pommes und Mayo. Ich kannte jede Gerichtssendung, jeden Vorabendkrimi und jede Casting-Show. Die Flimmerkiste war mein bester Freund.

An Casting-Shows komme ich auch heute nur selten vorbei. Und bei McDonald’s habe ich gerade heute meine 1,9-Kilo-Wochenabnahme belohnend zelebriert. Aber was früher DSDS war, ist jetzt The Voice of Germany und aus dem 3-Burger-Menu wurde der Grilled Chicken Salad und – wenn ich besonders ruchlos bin – auch mal ein Hamburger. Ja, ich höre die WW-Facebook-Mitglieder jetzt völlig berechtigt spitz aufschreien und greinen, dass ich doch gerade eben nach den Punkten für Teamburger und Chicken Sticks gefragt habe. Asche auf mein Haupt! Ich habe sage und schreibe 25 Minuten in der Schlange gestanden, da musste ich einfach trotzig aus der Rolle fallen. Erstaunlich, dass bei einem Kassenfehler gleich vier (!) Donaldinen gleichzeitig versuchen müssen, das Problem zu lösen und dabei die hungrig geifernden Mäuler in den anderen Schlangen ihrem Schicksal überlassen. Aber das nur am Rande.

Die schönste Erkenntnis meiner kleinen 17-Kilo-Feier war, dass mir das WW-Verhalten inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen ist. Die guten Gewohnheiten nisten sich also an den Stellen ein, die aufgrund des Massenexodus meiner Lipide leer stehen. Lebt wohl, Blut- und Körperfett, willkommen Ernährungsbewusstsein. Den schwierigsten Lernprozess macht dabei wohl mein stattlicher Riechkolben durch. Wenn er vor nicht allzu langer Zeit eine Currywurst erschnupperte, hatte er noch das Sagen und setzte seinen Willen durch. Heute hat der Zinken es da etwas schwerer, denn da reden jetzt so einige mit: Hirn, Gewissen, Endorphine, Laufmuskeln, Gaumen und sogar die Augen. Change Management heißt hier die moderne Herausforderung.

Die letzte Woche war purer Stress. Ich musste eine wichtige Entscheidung fällen, die mich an den Rand des Erträglichen gebracht hat. Ein Jobwechsel stand zur Debatte. Verlassen der lieb gewonnenen Komfortzone? Nach fast zehn Jahren kündigen? Umziehen von der Provinz in die große Stadt? Neuanfang? Da hatte ich nun wirklich keine Zeit, mich gedanklich großartig auf WW zu konzentrieren. Aber siehe da: Trotzdem folgte ich unbewusst weiter den Regeln und verlor in einer Woche 1,9 Kilo.

Aber bevor ich hier wie ein unschuldiges und auf ewig geläutertes Englein da stehe: Ich fresse immer noch Burger, Steaks und Nudelberge und saufe Bier, Whisky und Wein. Nur alles etwas gemäßigter und in gesundem Wechsel mit Grünzeug, Sattmachern, Mate und Wasser. Und beim geringsten Anlass schlage ich hemmungs- und maßlos zu. Aber am Ende der Woche stimmt halt doch das Punktebudget. Noch fünf Kilo und ich bin nach BMI gesund. Bleibt nur noch der obligatorische Anschauungsunterricht für Euch, liebe Leser. Nachstehend wie schon so oft, ein paar 17-Kilo-Beispiele.

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Und übrigens: Ja, ich habe den Neuanfang gewählt. Große Veränderungen stehen an. Vorfreude und Panik wechseln sich ab. Aber erstere gewinnt immer mehr die Oberhand. Seltsames Jahr, dieses 2012: Abnehmen, Laufen, iPad, Jobwechsel, Landflucht und nicht zuletzt auch dieser Blog. Was da wohl noch alles kommt.

Und noch übrigenser: Zursahne war heute im Treffen wieder bestens in Form. Wobei ich nun – und das ist eine Weltpremiere – ausnahmsweise doch mal mäkeln muss. Keine Angst, Zursahne, nicht an Dir. Ganz im Gegenteil. Ich muss nur immer wieder über die weiblichen Multitasking-Talente einiger Teilnehmerinnen staunen. Gleichzeitig zuhören und sich angeregt unterhalten – das möchte ich auch mal können. In der Schule gab’s für diese Schwatzhaftigkeit schon mal ’nen Eintrag ins Klassenbuch. Ist doch auch eine Sache des Respekts für die Vortänzerin, oder? 😉

An Apple a day keeps the Android away!

iPad

Nachdem ich ja schon abnahmebedingend unheimlich viele Äpfel im Vergleich zu meinem Vorleben förmlich inhaliere (geschält, geschnitten, gebraten, geschmort, gekocht und gejoghurtet), musste das paradiesische Sündenobst nun in letzter Konsequenz auch in elektronischer Form in mein Leben Einzug halten. So leset denn hier meinen ersten Blogbeitrag, verbrochen am nagelneuen Augentupfer. Einen Eierbecher hatte ich übrigens nie.

Diese endorphinversprühende Neuanschaffung agiert übrigens absolut WW-konform: Sie lässt einen nicht los. Man kommt schlichtweg gar nicht mehr zum Essen. Und wenn, dann kann man es gleich in der WW-App anprangern. Heute morgen habe ich aber mal Pause gemacht. Ich wollte ehrgeizzerfressen versuchen, joggenderweise die zehn Kilometer zu schaffen. Kläglich gescheitert. Nach fünf gingen Puste und Muskelkraft in einträchtiger Solidarität gleichzeitig stiften. Wahrscheinlich war ich noch erschöpft vom anstrengenden Autorennen, in dem ich es an einem Abend vom Anfänger bis zum Vollprofi gebracht habe. Natürlich nur virtuell. Ist ja klar. Aber wo war ich noch gleich? Ach ja, bei meinem Langstreckenversuch. Zu meiner Ehrenrettung sei noch erwähnt, dass ich die Strecke trotzdem vollendet habe. Die zweite Hälfte brachte ich zügig gehend (allgäuerisch: laufend) hinter mich.

Danach halfen dann eine (fast) kalte Dusche, eine Flasche Wasser und ein Berg Nudeln (bis ich „satt“ war, ähem) mit Meeresfrüchten in Tomatensauce, mich wieder internetfein zu machen. Und schwupps – da bin ich auch schon. Morgen treffe ich dann wieder meine Freundin, die Waage. Schade, dass ich sie nicht mit dem Traumgewicht konfrontieren kann, das meine Heimwaage direkt nach den zehn Kilometern gezeigt hatte. Das wäre einfach zu schön. Es muss aber trotzdem fluppen, denn der Druck erhöht sich. Ich muss nun definitiv bis Anfang September mein Ziel erreichen. Warum? Das verrate ich Euch dann voraussichtlich beim nächsten Mal.

6.549 Herzschläge verbrennen 793 kcal

RunningJoern

Es ist geschafft. Die Mauke war still und hat sich unheimlich brav benommen. Und ich sitze nun wieder vor meinem Computer. Etwas erschöpft, aber stolz wie Oskar. Weiß übrigens jemand, welcher Oskar in dieser Redewendung eigentlich gemeint ist? Ich nicht. Also, nun sitze ich hier und werte mit roten Ohren die Ergebnisse meiner Pulsuhr aus. Damit das auch jeder nachvollziehen kann, gibt’s heute ein paar Extrabilder. Einfach draufklicken, dann wird’s größer:

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Stark, was die Technik heute so zustandebringt, nicht wahr? Ja, und was sagt uns das jetzt? Folgendes:

1. Ich hatte mit 45 Minuten gerechnet und stolperte schon nach knapp 37 Minuten sabbernd ins Ziel.

2. Schaut Euch mal den irrsinnigen Endspurt an. Showeinlage fürs Fotofinish. Noch ein Herzschlag mehr, und ich wäre gestorben.

3. Ich habe so gut wie keine Gehpausen eingelegt. Na gut, ganz kurz am Krematorium (0:17), aus Pietät, und am Schlosspark (0:32), um die schönen Blumen anzuschauen.

4. Bei 0:31 hat mich ein Geisterläufer nach dem Weg gefragt, deshalb ging der Puls kurz runter. Nein, war’n Scherz. Der wahre Grund bleibt mir wohl für immer verborgen.

Nur schade, dass die Auswertung noch nicht im Internet veröffentlicht ist. Ich wüsste gerne meine offizielle Zeit und meine Platzierung. Aber eigentlich auch egal. Geschafft, das ist das was zählt. Aber am Anfang kam schon Frust auf, als mich spielende Kinder, geschobene Rollstühle und Nordic Rentner en masse überholten. Junge, was bin ich doch langsam. Aber dafür konnte ich mein Tempo so gut wie konstant halten. Pah! Und ich war danach noch so „fit“, dass ich noch meinen Chefs beim Start zum Halbmarathon zujubeln, ein sündhaft leckeres Grillsteak verdrücken und anschließend zur Messe in die BigBox watscheln konnte, um die lieben WW-Coachinnen dort zu besuchen.

Naja, jetzt kann ich mich nach all dem nudeligen Carboloading wieder voll und ganz auf WW konzentrieren. Sonst krieg ich am Dienstag noch Schimpfe. Ich will doch WW-Uhu werden. Und den vierten Stern. Und die 25-Pfund-Urkunde. Und mein Zielgewicht habe ich ganz frech jetzt mal auf Anfang September festgesetzt. Aber das ist eine andere, eine gaaanz lange, eine fast schon futuristische Geschichte, die ein andermal erzählt werden soll. Jetzt hänge ich mir erstmal meine Medaille um den Hals und nehm sie nie wieder ab. Na gut…


Nachtrag: Meine Zeit lautet 0:36:21. Und es waren noch drei männliche Läufer hinter mir. Ein U14, ein U18 und ein Ü60. Yippie. Ich war nicht der Letzte, sondern der Zweihundertfünfundsechzigste.