Hatte ich’s eigentlich schon erzählt?

Brain

Nein? Oh. Na dann wird’s aber mal wieder Zeit. Ich vergesse zur Zeit recht viel – in diesem Lebensumstellungschaos. „Change Management“ nennen das die Schlauköpfe dieser Welt. Wenn nur einer von diesen Experten jetzt auf meinem Sofa säße und mich professioniell beriete wäre das ein guter Anfang. Aber ich wollte ja berichten:

Am vorletzten Dienstag hatte ich meine karnivore Zwangspause beendet und mich wieder auf die Unerbittliche gestellt. Doch sie war mir wohl gesonnen. Ich hatte es tatsächlich geschafft, wieder auf den Vorpausenstand zurückzukehren. Naja, fast. 300 Gramm mehr. Das war die schönste Zunahme meiner WW-Historie. Weiter geht’s…

Aber was ist mit dem Spocht? Nach Bamberg hatten auch meine Laufschuhe Urlaub. Vom Erfolg motiviert schlüpfte ich hinein, verkabelte mich mit dem Laufcomputer und fuhr an den traumhaften Grüntensee. Ein mal Rum – äh rum – bitte! Eins zwei, eins zwei, ei…ns … zw… Was war das denn? Nach zwei Kilometern ging gar nichts mehr. Aus. Vorbei. Beine schwer. Muskelschmerzen. Puste weg. Nach drei Wochen Pause??? Also, ich muss schon sagen: Der Endspurt zum Wunschgewicht ist ein echter Kraftakt. Kann doch nicht sein. Also, einmal rum gegangen. Frustriert nach Hause. Resches Hühnchen. Bier. Bett.

Am letzten Dienstag war dann wieder Treffen angesagt und man traf sich auch. Ohne mich. Nein, ich habe nicht geschwänzt, sondern mit meinem Makler Interessenten für meine Noch-Wohnung ob ihrer Solvenz ausgequetscht. Das dauerte länger als geplant. Also stellte ich mich feierlich auf meine eigene Waage und stieg kopfschüttelnd wieder herunter. Nicht mehr und nicht weniger. Ich lamentierte nicht. Ich hinterfragte nicht. Es war mir gelinde gesagt Wurst, und zwar so richtig Salami. Ich stellte mich trotzig in die Küche und buk 65 (!) äußerst leckere WW-Muffins (Himbeer-Mascarpone und Schoko de Luxe). Für meine Kollegen, denn der Abschied nahte.

Aber mal ehrlich: Wie soll man sich auf WW konzentrieren wenn man ständig Wohnungen sucht, Wohnungen vermietet, Autos kauft, Jobs übergibt, Abschied feiert und Umzüge vorbereitet. Seit heute bin ich im Resturlaub. Wohnung(en) sind gefunden. Autokauf läuft immer noch und mein in 10 Jahren angesammelter Hausrat spricht sehr renitent mit mir. Trotzdem versuchte ich es gestern nochmal mit meiner 6,5km-Standardrunde – und schaffte sie. Nicht so rasant wie sonst, aber egal. Am 14.10. droht der 10km-Münchenlauf. Ich bin angemeldet, das war nicht billig. Also habe ich jetzt vier Wochen Zeit, wieder in Form zu kommen.

Und was war noch gleich mit WW? Gehört doch zusammen. Morgen ist mein vorletztes Treffen in Kempten, denn am 01.10. beginnt der neue Job in München. Mal sehen, was noch so zu reißen ist. Das Wunschgewicht wird’s wohl nicht. Aber vielleicht schaff‘ ich ja noch den Uneu.

Alles richtig gemacht, und doch…

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Wüsste ich den richtigen, den einzigen Weg, sähe ich bereits aus wie eine Gerte.

Schon wieder etwas her, dass ich das letzte Mal meine virtuelle Tinte in diese Seite schüttete. Es ist dieses Auf und Ab und das Gefühl, bei seinem – nicht ganz zufriedenstellenden – Endgewicht angekommen zu sein, das mir ein wenig den Spaß versaut hat. Wisst Ihr noch, beim letzten Mal polterte ich meinen Ärger hinaus, dass es einfach nicht mehr weitergehen will. Und ich versprach, in der darauf folgenden Woche die Gesamtzunahme der letzten Wiegetermine in Höhe von einskommavier Kilo wieder auf einen Schlag wettzumachen. Und ich kann Euch sagen, ich hatte Erfolg. Eisernes Punktezählen, Beschränkung auf gemüsige Beilagen im innerbetrieblichen Gourmettempel, Verbannung jeglichen Gersten- und Rebensaftes aus dem Kühlschrank, dazu ein Drei- und ein Zehnkilometerlauf. Resultat: Zwei Kilo weniger. Nur ganz knapp (400 Gramm) den sechsten Stern verpasst. Ich war euphorisch und gäbe es eine Note für mündliche Beteiligung beim WW-Treffen, hätte ich wohl eine Eins bekommen. Ich tat wie ein Sieger, mischte mich motivierend überall ein und grinste breit bis über beide Ohren.

Letzte Woche war ich dann wieder ganz still.

Ich hatte den selben Wochenablauf wie in der Erfolgsphase. Wieder Häppchenzählen, wieder zehn Kilometer, wieder schmerzlicher Verzicht auf kulinarisch in den letzten Jahrzehnten Liebgewonnenes. Am Tag X selbst gab’s nur Hasenfraß. Ich rannte x-mal die 90 Stufen meines Arbeitgeberhäuschens rauf und runter und beschwingte mich fröhlich ins Treffen. Stolz verkündete ich Zursahne, dass mir eine Abnahme von 400 Gramm völlig ausreiche. Sechster Stern eben. Doch dann das bekümmerte Gesicht hinter der Waage. Leider nein. 700 Gramm Zunahme.

Das ist ja per se kein Beinbruch. Aber das war wirklich das erste Mal, dass ich komplett von den Socken war. Nie war ich meiner Sache so sicher gewesen, und dann das. Was war denn nun los? Die Coachin fragte mich, ob ich am selbigen Tag viel getrunken hätte. Ich begann, ihr die Geschichte vom Mate-Tee und dessen Auswirkungen zu erzählen, was sie verständlicherweise gar nicht ganz so genau wissen wollte. Also setzte ich mich auf meinen gelben Stammplatz und lauschte den Erfolgen der Anderen. Ich war ja gewohnt, dass ich nach dem Treffen eh wieder besänftigt von dannen ziehen würde. Aber dies mal rief ich mit aller aufzubringenden Misanthropie meinen Frust dazwischen. Kann ja wohl nicht sein. Alles Schei…, Deine Elli. Mein letzter Stern ist schon sechs(!) Wochen her. Ich nannte ihn genau genommen nicht „Stern“, sondern gramerfüllt „Papierschnipsel“, was mir einen gut gemeinten Tadel bezüglich meiner Wertschätzung gegenüber den WW-Devotionalien einbrachte. Besänftigend nahm ich mir schriftlich vor, genauso weiter zu machen, denn ich war mir ja keiner Schuld bewusst.

Heute bin ich gut gelaunt, da ich bei bestem Laufwetter den Grüntensee in einer Stunde umrundete. Ist aber auch ein schönes Fleckchen, dieses Allgäu. Aber ich habe meinen Auftrag nicht erfüllt. Es kamen Anlässe über Anlässe dazwischen. Ich fraß Schnitzel, Currywurst & Co. und erwarb gestern auf dem Tollwood-Festival als Stärkung für das Lady Antebellum-Konzert ein Spanferkel-Ochsenfetzen-Bio-Knauzen an zweierlei vom Bier. Der Regen machte zwar aus dem zweiten Bier eine Bierschorle, aber geschmeckt hat’s trotzdem. Das weltgrößte Feuerwerk überm Olympiastadion rundete einen rundum gelungenen Tag ab.

Das Schöne ist, dass ich mich nicht wundern würde, zeigte die Vermaledeite am Dienstag trotzdem wieder eine Abnahme an. Wegen Unverkrampftheit. Schaun mer ma.

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