Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich hier meine ersten Worte verbrach. Ist ja auch nicht so lange her. Ich dachte mir damals: Du willst weniger werden? Dann setz‘ Dich selbst unter Druck. Posaune es in die Welt hinaus, erzähle es jedem der es hören will und jedem, der es nicht hören will. Komm, sag es allen weiter: „Ey Alder, ich nehm jetzt voll krass ab, sollst ma seh’n…“ Nun, vielleicht habe ich mich nicht ganz so egomanisch ausgedrückt, aber ich hab’s durchgezogen. Familie, Freunde, Kollegen, Cyberfriends, Wildfremde – alle mussten erfahren, dass der Erdmann unter die WeightWatchers gegangen ist und innerhalb eines Jahres seinen BMI von lethalen 31 auf gesunde 23 absenken will. Von 112,2 kg auf 85, das macht dann 27,2 Kilo Speck, der Herr.
Und nun schaut mal auf den Läufer oben auf dieser Seite. Am Dienstag zeigte die Unbestechliche nun 98,3 kg an. Also eine Gesamtabnahme von 13,9 Kilo. Will heißen: die Hälfte ist geschafft. Ich habe vier Sterne, ein Maßband und einen Schlüsselanhänger erhalten und tauschte dafür mein Fahrrad ein. Naja, nur virtuell. Es steht noch brav in der Garage und ich habe dringend vor, es in Bälde auch ordentlich zu benutzen, aber es wiegt eben genau 13,9 kg. Das muss man sich mal vorstellen. Ich habe ein Fahrrad aus meinem Körper geschnitten. Oder einen Rasenmäher, oder einen Gitarrenverstärker, oder ein dreijähriges Kind, oder einen 40-Zoll-Flachbildfernseher, oder einen Schäferhund, oder eine Mikrowelle, oder…
Ich liebe diese Vergleiche, denn sie machen deutlich, was da eigentlich wirklich gerade geschieht. Die Hälfte ist geschafft. Nun geht’s ans Eingemachte. Wird sicherlich nicht einfacher, aber es gibt Zwischenziele. Stern 5 bei 97,2 kg, Stern 6 bei 94,2 kg, 20-Kilo-Marke bei 92,2 kg, Stern 7 bei 91,2 kg, gesunder BMI bei 90 kg, Stern 8 bei 88,2 kg, 25-Kilo-Marke bei 87,2 kg und Stern 9 bei 85,2 kg – aber der ist unwichtig, denn 200 Gramm später ist eh das Ziel erreicht. Ich glaube, dass dies einer der wichtigsten Tricks beim Abnehmen ist. Zwischenziele, die jeweils problemlos erreichbar sind. Jedes davon verspricht ein Erfolgserlebnis und neue Motivation. Die von WW sind ja nicht doof. Denn warum sonst freuen wir uns so über diesen zackigen Papierschnipsel nach jedem Dreikiloschritt?
Und der zweite wichtige Trick ist eben das bereits angesprochene Weitersagen. Niemand hat die Augen verdreht, mich für verrückt erklärt oder mich ausgelacht. Alle sind voll des Lobes und der Motivation. Und auch Ihr, liebe Leser, bestärkt mich immer wieder mit Euren schönen Feedbacks. Und mal ehrlich – gäbe ich jetzt auf, wäre ich der Verlierer der Nation. Geht gar nicht. Jetzt muss ich da durch. Selber schuld. Aber es ist auch lustig zu beobachten, wie gertenschlanke Kolleginnen mich über ProPoints-Werte und erlaubte Budgets ausquetschen
Und dann gibt’s da noch einen dritten Trick: Nur nicht verkrampfen! Wenn die Currywurst lockt: Currywurst essen. Wenn Besuch da ist: Die abendliche Flasche Wein genießen. Wenn die gesellige Runde den goldenen Bogen durchschreitet: Burger bestellen. Geburtstag? Ehrentag. Urlaub? Genussphase. Es ist nicht schlimm, zu sündigen, wenn man das Projekt strategisch, also langfristig, betrachtet. Dabei bleiben – das ist wichtig. Aber wenn man sich selbst geißelt klappt’s halt nicht. Und genau so ist’s beim Sport – äh, bei der Bewegung. Zwei Stunden zügiges Wandern bringt weitaus mehr als 30 Minuten Rennen. Leistungssport ist gut für Fitness und Gesundheit, setzt bei mir aber an, egal ob Muskelaufbau oder nicht. Ich mache beides. Und am Sonntag war ich am Vilsalpsee, schnappte mir kurzerhand ein Ruderboot und ruderte 40 Minuten drauf los, einmal hin und zurück. Das Alpenpanorama, die Ruhe, das Plätschern des kristallklaren Wassers – Bewegung kann so schön sein.
Also, meine Bergfestweisheit lautet: Mit vielen kleinen Zwischenzielen, offensiver Kommunikation und einer gesunden Portion Lässigkeit klappt das. Durststrecken und Rückschläge gehören, wie bereits berichtet, dazu. Zum Schluss noch ein dickes Dankeschön an die Coachinnen Susanne Boni und Kirsten Cammann. Ihr seid wirklich klasse!
Und jetzt leere ich zufrieden das vor mir stehende Weinglas und wünsche Euch allen viel Erfolg, ob Ihr nun weniger werden wollt oder nicht.
