Soweit die Füße tragen…

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Die Lösungen zu des Läufers Problemen können so einfach sein, wenn man sie nur kennen würde. Dabei liegt es doch auf dem Fuß: Wenn bei 5000 Metern regelmäßig die Puste ausgeht und die Laufzeit immer fast exakt gleich ist, gibt es ja eigentlich nur eine logische Konsequenz, auf die ich von Ehrgeiz zerfressener Mitdemkopfdurchdiewand aber selbst nicht kam. Der Laufpapst höchstselbst, Herbert Steffny, musste den Knoten lösen. Er schrieb mir, ich solle einfach mal Tempo rausnehmen. Nicht die Strecke würde töten, sondern das Tempo.

Nun lief ich ja bei Wettläufen bisher schon mit den Ü70ern gemeinsam ein und war froh, dass an der Ziellinie überhaupt noch jemand da war, um mich in Empfang zu nehmen. Beim Kemptener Stadtlauf überholten mich sogar Walker und Rollstuhlfahrer. Aber ich meine hey, mich hetzt ja keiner. Also los, dachte ich mir, und los ging’s. Dazu sei gesagt, dass meine Allgäuer Heimatstrecke wie auch mein Läuferleben von vielen Höhen und Tiefen geprägt ist. Kurz vor Kilometer 2 kam dann auch schon der Berg vorm Bienenhotel, den ich sonst nur schnaufend hochstapfen konnte. Und ich merkte, irgendetwas war anders. Ich lief (also joggte, liebe Allgäuer) ihn hoch. Unfassbar. Irgendwie ging alles recht leicht. Nach 3,5 Kilometern folgte ich dann Robert Frost (Zwei Wege boten sich mir dar, und ich nahm den der weniger betreten war.) Ich geriet auf einen von zich Allgäuer Schwerstgewittern völlig aufgesumpften Wiesenpfad. Die Sonne brannte. Bremsen aßen meine Wade. Cross-Running? Hatte ich eigentlich nicht vor, aber umkehren war tabu. Bei Kilometer 6 kam ich endlich wieder auf eine Straße, die ihren Namen verdient. Ich bin definitiv Asphaltläufer. Welch Genuss, obwohl nun eine endlose Steigung folgte. Ich starrte auf den Boden, schwang die Arme wie Forrest Gump und joggte mit Tippelschritten weiter. Ich sah das herrliche Alpenpanorama … ja gut, hin und wieder habe ich doch mal hochgeschaut … und ließ mich durch den vermaledeiten Grünten ablenken, den ich nach fast 10 Jahren noch immer nicht bestiegen habe. Huch! Die Steigung war geschafft. Abwärts zu der einsam im Wald gelegenen Zimmermannswerkstatt. Der Seniorzimmermann spielte immer noch Rummikub mit seiner Frau. Wie schon auf dem Hinweg. Beide schauten mir murmelnd nach. Der Rest verlief am Rande meines Lebens. Ab. Auf. Auf. Ab. Auf. Auf. Ab. Sagt mal, wer um alles in der Welt hat eigentlich das Allgäu gebaut? Hatte er zuviel Sand und Steine übrig? In Dänemark war’s leichter.

Aber dann kam ich wieder auf meine Heimstrecke. Meine Uhr zeigte 9 Kilometer an, der letzte Rest war Kür. Ich zog nochmal an, bis mir vor meiner Haustür die Beine versagten. Ich lehnte mich an mein Auto und dachte nicht an Schokolade. Endorphine hatte ich genug. Nach – genau hinlesen – elf, in Worten 11, Kilometern!!!

Duschen. Trinken. Schlafen.

P.S.: An dieser Stelle möchte ich ausnahmsweise mal Werbung machen. Wer sich für’s Laufen interessiert, sollte nicht an Herbert Steffnys Laufbibel vorbeilaufen. Gibt für knapp 30 Euro hier bei Amazon.

Jetzt reicht’s!

Verdammich!

Verdammich, verdorrich nochma! Da freut man sich vor vier Wochen darüber, dass man einen Rasenmäher abgenommen hat und dann geht’s drei Wochen hintereinander wieder rauf. Ja, ich war durch große Veränderungen abgelenkt. Ja, ich hatte Urlaub und fraß Mutters Hausgemachtes mit Inbrunst. Ja, es ist normal, dass es immer mal wieder hakt. Aber drei erfolglose Wochen machen mich mürbe wie Mutters Heidesand. Denn ja, ich bin in einer Woche vier mal fünf Kilometer gerannt und ja, ich bin stundenlang durch dänische Dünen gewandert.

Ist es das, was doch so einige das Gewehr ins Getreide schmeißen lässt? Ich bin durchaus versucht. McDonald’s Schlemmerplatte? Aber ich versuche, der Versuchung zu widerstehen. Einskommavier Kilo habe ich nun wieder mehr und wisst Ihr was? Ich weigere mich, das Männchen oben auf dieser Seite zurück zu scheuchen. Nix! Denn jetzt will ich’s wissen, obwohl ich’s eigentlich besser wissen sollte. Feierlich setze ich mir heute zum Ziel, bis nächsten Dienstag die Position des kleinen Mannes wieder zu rechtfertigen. Wenn Björn Otto für London acht Zentimeter mehr anvisiert, um mit einer fünf Meter langen Latte über eine sechs Meter hohe Latte zu hüpfen, dann ist das ein hehres Ziel. Sagen die Medien. Und wenn ich einskommavier Kilo in einer Woche abschütteln will, dann ist das ein hehres Ziel. Sage ich. Zursahne ruft: Ist das machbar? Ich rufe: Ja. Zursahne ruft: Ziehst Du das durch. Ich sage: Ja. Und freue mich schon darauf, nächste Woche in sülzenden Worten mein Versagen zu rechtfertigen. Wie bitte?

Bevor man mir aber nun zu viel Gegreine vorwirft, berichte ich auf Anforderung vieler nun noch ganz sachlich von den Erlebnissen des Strandläufers. Es goss in Strömen genau so stark wie in Vejers. 267 Läufer traten an. Viele blieben zu Hause in der guten Stube. Aber was sollte ich machen, schließlich war der ganze Urlaub 1.100 Kilometer nördlich nur deswegen zustande gekommen. Also Jacke zu, Brille ab und los. Die ersten 2,5 Kilometer liefen problemlos. „Wieso geht denn das so leicht?“, dachte der ungeübte Regenrenner. Dann kam der Wendepunkt. Vom Norden zurück in den Süden. Und ich wusste plötzlich warum, denn wie ein Haubentaucher auf Südkurs auf der reißenden Iller kam ich nicht voran. Wind. Will sagen: Sturm. Ein wahrer Gegenorkan. Vielen war das zu blöd. Kopfschüttelnd warfen sie ihre Handtücher. Aber was sollte ich machen, schließlich war der ganze Urlaub 1.100 Kilometer nördlich nur deswegen zustande gekommen. Also weiter. Ein gefühltes Jahr später kroch ich über die Ziellinie und steuerte schnurstracks auf die Gratisbananen zu. Meine Familie hatte noch nicht mit mir gerechnet und verpasste im trockenen Souvenirladen meinen Zieleinlauf. 36:38 Minuten. Platz 145. Mittelfeld. Eine gefühlte Sekunde später saß ich im gemütlichen Feriehus und fraß Kanelstang. Es war geschafft. Ich war geschafft. Das Gebäck war geschafft.

Als nächstes ist der München Marathon am 14. Oktober dran. Ob fünf oder zehn Kilometer? Weiß noch nicht. Ich sag‘ nur: Acht Zentimeter…

Heißer Tipp Nr. 8:

+++ Grillen! +++

Bratwürste, Holzfällersteak, Weißbrot, Knoblauchsauce, Rotwein. Unbedingt zuschlagen!
Was das mit WeightWatchers zu tun hat? Keine Ahnung, aber es schmeckt unheimlich gut.

Aber im Ernst: Wir sind mal wieder bei meinem Lieblingsthema angekommen. Bosse ruft in seinem Song „Yipi“ inbrünstig „Ey ehrlich, entspann Dich mal!“. Ich sage ergänzend „Loide, bleibt locker!“. Wenn ich im dänischen Ferienhaus sitze und betörende Düfte vom Grill aufsteigen, dann ist Urlaub, dann sind Ferien, dann ist Sommerfrische. Das hat nichts mit Todsünde oder gar Aufgeben zu tun. Nach einer Woche wird der Spuk (leider) vorbei sein, und dann wird alles wieder seinen Gang nehmen. Mit Punkten, mit Schreiben, mit Treffen und … mit Abnehmen. Ganz sicher…

Øn the rød agæn..

So. Mal schauen. Was gibt es denn so alles zu berichten? Vorletzte Woche 600 Gramm zugenommen. Egal. Letzte Woche 300 Gramm zugenommen. Laaaangweilig! Heute vor einer Woche 10 Kilometer versucht und wieder nur bis 5 gekommen. Auch wurscht. Kommen wir zu den spannenderen Dingen, denn ich bin mal wieder unterwegs:

Ja, ich habe Urlaub! Gestern fryh um sechs machte ich mich auf den 700-Kilometer-Trip in Richtung Heimat. Denn in Soltau wartete die große Byhne auf mich. Naja, es war ein Mæuerchen in bester pedestrianer Lage, auf dem ein befreundeter Verstærker voluminøs und behallt meine Stimme sowie den Klang meiner Laute in das Heidestædtchen einbrachte. Ein nachmittæglicher Auftritt beim Fest der Musik bei bestem Wetter ließ Familie, Freunde und Bekannte nicht im Zweifel: Der Erdmann war mal wieder daheim. Das ungeprobte Whiskey Lullaby mit einer befreundeten Vocal Coachin schmirgelte dem sensiblen Sænger eine Gænsehaut auf den Leib. Schøn war’s. Schøn – oder eher unfassbar gut – war dann auch die anschließene Currywurst mit Pommes und Mayo, ein Muss bei jedem Soltau-Besuch.

Abends styrzte mein Vater rippenbrechend mit dem Fahrrad, am næchsten Morgen sorgte dann ein von innen im Schloss verweilender Schlyssel für einen guten Tag des ørtlichen Schlossermeisters. Doch dann ging es heute morgen endlich los ins Land der Rød Pølser, des Fløderandes, der durchgestrichenen Øs und der Marzipanrøllen. Ein Traumhæuschen in den dænischen Dynen und ein unerhørt einsamer Strand erwarteten uns. Am Sonntag startet der North Sea Beach Marathon in Hvide Sande. Ich drehe vom Zielort Vejers meine 5-Kilometer-Runde. Da musste ich doch heute mal schauen, wie sich das anfyhlt: Bei labbrig-weichem Sand und Gegenorkan schwand meine Hoffnung, yberhaupt ins Ziel zu kommen. Aber ich meine hey, na und? Die Wetterprognose sagt 0 Sonnenstunden und 99% Regenwahrscheinlichkeit. Wenn sich alles verschwørt, wird’s meistens super. Oder?

Na, ich halte Euch mal auf dem LAUFENDEN (Muaha!). Sollte die næchste Nachricht etwas auf sich warten lassen, liegt es daran, dass ich im Rettungshubschrauber keinen W-LAN-Empfang habe.

P.S.: Es will mir nicht gelingen, mit dem iPad Bilder in diesen Blog einzubinden. Muss also zwischendurch mal ganz unillustriert funktionieren. Ich heische um Verständnis.

In Fleisch und Blut

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17 Kilo! Junge Junge, das muss man sich mal vorstellen. In nicht einmal fünf Monaten. Mitte Januar war ich noch ein mürrischer Klops, der sein unzufriedenes Dasein größtenteils in römischer Genusspose auf seinem Lectus Triclinaris fristete. Ich sehe noch vor mir aufgereiht nahezu alles was Pizzaservice und McDonald’s so hergaben. Ich bestellte nicht etwa einen Insalata Mista. Nein, es war eine Riesenpizza mit Huhn, Spaghetti und Sahnesauce. Und zum Nachtisch durfte es noch ein komplettes Nudelgericht sein. Beim Drive-In gab’s nicht einen Burger, nicht zwei, sondern drei. Mit Pommes und Mayo. Ich kannte jede Gerichtssendung, jeden Vorabendkrimi und jede Casting-Show. Die Flimmerkiste war mein bester Freund.

An Casting-Shows komme ich auch heute nur selten vorbei. Und bei McDonald’s habe ich gerade heute meine 1,9-Kilo-Wochenabnahme belohnend zelebriert. Aber was früher DSDS war, ist jetzt The Voice of Germany und aus dem 3-Burger-Menu wurde der Grilled Chicken Salad und – wenn ich besonders ruchlos bin – auch mal ein Hamburger. Ja, ich höre die WW-Facebook-Mitglieder jetzt völlig berechtigt spitz aufschreien und greinen, dass ich doch gerade eben nach den Punkten für Teamburger und Chicken Sticks gefragt habe. Asche auf mein Haupt! Ich habe sage und schreibe 25 Minuten in der Schlange gestanden, da musste ich einfach trotzig aus der Rolle fallen. Erstaunlich, dass bei einem Kassenfehler gleich vier (!) Donaldinen gleichzeitig versuchen müssen, das Problem zu lösen und dabei die hungrig geifernden Mäuler in den anderen Schlangen ihrem Schicksal überlassen. Aber das nur am Rande.

Die schönste Erkenntnis meiner kleinen 17-Kilo-Feier war, dass mir das WW-Verhalten inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen ist. Die guten Gewohnheiten nisten sich also an den Stellen ein, die aufgrund des Massenexodus meiner Lipide leer stehen. Lebt wohl, Blut- und Körperfett, willkommen Ernährungsbewusstsein. Den schwierigsten Lernprozess macht dabei wohl mein stattlicher Riechkolben durch. Wenn er vor nicht allzu langer Zeit eine Currywurst erschnupperte, hatte er noch das Sagen und setzte seinen Willen durch. Heute hat der Zinken es da etwas schwerer, denn da reden jetzt so einige mit: Hirn, Gewissen, Endorphine, Laufmuskeln, Gaumen und sogar die Augen. Change Management heißt hier die moderne Herausforderung.

Die letzte Woche war purer Stress. Ich musste eine wichtige Entscheidung fällen, die mich an den Rand des Erträglichen gebracht hat. Ein Jobwechsel stand zur Debatte. Verlassen der lieb gewonnenen Komfortzone? Nach fast zehn Jahren kündigen? Umziehen von der Provinz in die große Stadt? Neuanfang? Da hatte ich nun wirklich keine Zeit, mich gedanklich großartig auf WW zu konzentrieren. Aber siehe da: Trotzdem folgte ich unbewusst weiter den Regeln und verlor in einer Woche 1,9 Kilo.

Aber bevor ich hier wie ein unschuldiges und auf ewig geläutertes Englein da stehe: Ich fresse immer noch Burger, Steaks und Nudelberge und saufe Bier, Whisky und Wein. Nur alles etwas gemäßigter und in gesundem Wechsel mit Grünzeug, Sattmachern, Mate und Wasser. Und beim geringsten Anlass schlage ich hemmungs- und maßlos zu. Aber am Ende der Woche stimmt halt doch das Punktebudget. Noch fünf Kilo und ich bin nach BMI gesund. Bleibt nur noch der obligatorische Anschauungsunterricht für Euch, liebe Leser. Nachstehend wie schon so oft, ein paar 17-Kilo-Beispiele.

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Und übrigens: Ja, ich habe den Neuanfang gewählt. Große Veränderungen stehen an. Vorfreude und Panik wechseln sich ab. Aber erstere gewinnt immer mehr die Oberhand. Seltsames Jahr, dieses 2012: Abnehmen, Laufen, iPad, Jobwechsel, Landflucht und nicht zuletzt auch dieser Blog. Was da wohl noch alles kommt.

Und noch übrigenser: Zursahne war heute im Treffen wieder bestens in Form. Wobei ich nun – und das ist eine Weltpremiere – ausnahmsweise doch mal mäkeln muss. Keine Angst, Zursahne, nicht an Dir. Ganz im Gegenteil. Ich muss nur immer wieder über die weiblichen Multitasking-Talente einiger Teilnehmerinnen staunen. Gleichzeitig zuhören und sich angeregt unterhalten – das möchte ich auch mal können. In der Schule gab’s für diese Schwatzhaftigkeit schon mal ’nen Eintrag ins Klassenbuch. Ist doch auch eine Sache des Respekts für die Vortänzerin, oder? 😉

An Apple a day keeps the Android away!

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Nachdem ich ja schon abnahmebedingend unheimlich viele Äpfel im Vergleich zu meinem Vorleben förmlich inhaliere (geschält, geschnitten, gebraten, geschmort, gekocht und gejoghurtet), musste das paradiesische Sündenobst nun in letzter Konsequenz auch in elektronischer Form in mein Leben Einzug halten. So leset denn hier meinen ersten Blogbeitrag, verbrochen am nagelneuen Augentupfer. Einen Eierbecher hatte ich übrigens nie.

Diese endorphinversprühende Neuanschaffung agiert übrigens absolut WW-konform: Sie lässt einen nicht los. Man kommt schlichtweg gar nicht mehr zum Essen. Und wenn, dann kann man es gleich in der WW-App anprangern. Heute morgen habe ich aber mal Pause gemacht. Ich wollte ehrgeizzerfressen versuchen, joggenderweise die zehn Kilometer zu schaffen. Kläglich gescheitert. Nach fünf gingen Puste und Muskelkraft in einträchtiger Solidarität gleichzeitig stiften. Wahrscheinlich war ich noch erschöpft vom anstrengenden Autorennen, in dem ich es an einem Abend vom Anfänger bis zum Vollprofi gebracht habe. Natürlich nur virtuell. Ist ja klar. Aber wo war ich noch gleich? Ach ja, bei meinem Langstreckenversuch. Zu meiner Ehrenrettung sei noch erwähnt, dass ich die Strecke trotzdem vollendet habe. Die zweite Hälfte brachte ich zügig gehend (allgäuerisch: laufend) hinter mich.

Danach halfen dann eine (fast) kalte Dusche, eine Flasche Wasser und ein Berg Nudeln (bis ich „satt“ war, ähem) mit Meeresfrüchten in Tomatensauce, mich wieder internetfein zu machen. Und schwupps – da bin ich auch schon. Morgen treffe ich dann wieder meine Freundin, die Waage. Schade, dass ich sie nicht mit dem Traumgewicht konfrontieren kann, das meine Heimwaage direkt nach den zehn Kilometern gezeigt hatte. Das wäre einfach zu schön. Es muss aber trotzdem fluppen, denn der Druck erhöht sich. Ich muss nun definitiv bis Anfang September mein Ziel erreichen. Warum? Das verrate ich Euch dann voraussichtlich beim nächsten Mal.

Drei Erkenntnisse zum Bergfest

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Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich hier meine ersten Worte verbrach. Ist ja auch nicht so lange her. Ich dachte mir damals: Du willst weniger werden? Dann setz‘ Dich selbst unter Druck. Posaune es in die Welt hinaus, erzähle es jedem der es hören will und jedem, der es nicht hören will. Komm, sag es allen weiter: „Ey Alder, ich nehm jetzt voll krass ab, sollst ma seh’n…“ Nun, vielleicht habe ich mich nicht ganz so egomanisch ausgedrückt, aber ich hab’s durchgezogen. Familie, Freunde, Kollegen, Cyberfriends, Wildfremde – alle mussten erfahren, dass der Erdmann unter die WeightWatchers gegangen ist und innerhalb eines Jahres seinen BMI von lethalen 31 auf gesunde 23 absenken will. Von 112,2 kg auf 85, das macht dann 27,2 Kilo Speck, der Herr.

Und nun schaut mal auf den Läufer oben auf dieser Seite. Am Dienstag zeigte die Unbestechliche nun 98,3 kg an. Also eine Gesamtabnahme von 13,9 Kilo. Will heißen: die Hälfte ist geschafft. Ich habe vier Sterne, ein Maßband und einen Schlüsselanhänger erhalten und tauschte dafür mein Fahrrad ein. Naja, nur virtuell. Es steht noch brav in der Garage und ich habe dringend vor, es in Bälde auch ordentlich zu benutzen, aber es wiegt eben genau 13,9 kg. Das muss man sich mal vorstellen. Ich habe ein Fahrrad aus meinem Körper geschnitten. Oder einen Rasenmäher, oder einen Gitarrenverstärker, oder ein dreijähriges Kind, oder einen 40-Zoll-Flachbildfernseher, oder einen Schäferhund, oder eine Mikrowelle, oder…

Ich liebe diese Vergleiche, denn sie machen deutlich, was da eigentlich wirklich gerade geschieht. Die Hälfte ist geschafft. Nun geht’s ans Eingemachte. Wird sicherlich nicht einfacher, aber es gibt Zwischenziele. Stern 5 bei 97,2 kg, Stern 6 bei 94,2 kg, 20-Kilo-Marke bei 92,2 kg, Stern 7 bei 91,2 kg, gesunder BMI bei 90 kg, Stern 8 bei 88,2 kg, 25-Kilo-Marke bei 87,2 kg und Stern 9 bei 85,2 kg – aber der ist unwichtig, denn 200 Gramm später ist eh das Ziel erreicht. Ich glaube, dass dies einer der wichtigsten Tricks beim Abnehmen ist. Zwischenziele, die jeweils problemlos erreichbar sind. Jedes davon verspricht ein Erfolgserlebnis und neue Motivation. Die von WW sind ja nicht doof. Denn warum sonst freuen wir uns so über diesen zackigen Papierschnipsel nach jedem Dreikiloschritt?

Und der zweite wichtige Trick ist eben das bereits angesprochene Weitersagen. Niemand hat die Augen verdreht, mich für verrückt erklärt oder mich ausgelacht. Alle sind voll des Lobes und der Motivation. Und auch Ihr, liebe Leser, bestärkt mich immer wieder mit Euren schönen Feedbacks. Und mal ehrlich – gäbe ich jetzt auf, wäre ich der Verlierer der Nation. Geht gar nicht. Jetzt muss ich da durch. Selber schuld. Aber es ist auch lustig zu beobachten, wie gertenschlanke Kolleginnen mich über ProPoints-Werte und erlaubte Budgets ausquetschen

Und dann gibt’s da noch einen dritten Trick: Nur nicht verkrampfen! Wenn die Currywurst lockt: Currywurst essen. Wenn Besuch da ist: Die abendliche Flasche Wein genießen. Wenn die gesellige Runde den goldenen Bogen durchschreitet: Burger bestellen. Geburtstag? Ehrentag. Urlaub? Genussphase. Es ist nicht schlimm, zu sündigen, wenn man das Projekt strategisch, also langfristig, betrachtet. Dabei bleiben – das ist wichtig. Aber wenn man sich selbst geißelt klappt’s halt nicht. Und genau so ist’s beim Sport – äh, bei der Bewegung. Zwei Stunden zügiges Wandern bringt weitaus mehr als 30 Minuten Rennen. Leistungssport ist gut für Fitness und Gesundheit, setzt bei mir aber an, egal ob Muskelaufbau oder nicht. Ich mache beides. Und am Sonntag war ich am Vilsalpsee, schnappte mir kurzerhand ein Ruderboot und ruderte 40 Minuten drauf los, einmal hin und zurück. Das Alpenpanorama, die Ruhe, das Plätschern des kristallklaren Wassers – Bewegung kann so schön sein.

Also, meine Bergfestweisheit lautet: Mit vielen kleinen Zwischenzielen, offensiver Kommunikation und einer gesunden Portion Lässigkeit klappt das. Durststrecken und Rückschläge gehören, wie bereits berichtet, dazu. Zum Schluss noch ein dickes Dankeschön an die Coachinnen Susanne Boni und Kirsten Cammann. Ihr seid wirklich klasse!

Und jetzt leere ich zufrieden das vor mir stehende Weinglas und wünsche Euch allen viel Erfolg, ob Ihr nun weniger werden wollt oder nicht.

Neunundneunzigkommaneun!

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Heute mach ich’s kurz, ein verstohlener Blick auf die Uhr rechtfertigt dies doch wohl.

Ich hatte es angekündigt. Wenn heute nicht die 100-Kilo-Marke geknackt wird, werde ich ungemütlich. Angst machen konnte ich damit niemandem. Ein sanftes Lamm wie ich wird mit solchen Äußerungen einfach nicht ernst genommen. Oder doch? Vielleicht lässt mein eigener Riesenkörper sich von solchen Drohungen beeindrucken. Wie sonst lässt sich das kuriose Messergebnis vom heutigen WW-Treffen erklären: 99,9 kg. Knapp. Aber ob knapp oder nicht: Es ist geschafft – der Uhu flattert nun durchs schöne Kempten. War aber auch ein schwerer Weg – ganz besonders auf der letzten Meile. Am Sonnabend streifte ich mit einem guten Freund durchs verregnete Minga und verbrauchte im Vorfeld zu einem unfassbar schönen James-Taylor-Konzert sage und schreibe 130 ProPoints. Wie ich das geschafft habe? Es gibt Dinge, die ein Mann tun muss und über die er schweigen muss. Und trotzdem sind in der letzten Woche 300 Gramm stiften gegangen. Naja – eigentlich waren es 200 Gramm. An dieser Stelle kann ich’s ja beichten: 100 Gramm resultierten wohl aus dem Weglassen meines Gürtels. Aber das ist okay, denn dieses Weglassen bedeutet ja gleichzeitig, dass die Hose auch ohne Hilfsgerätschaften sitzt. Verdient, oder?

Also bette ich nun stolz mein gründlich verschmälertes Haupt auf mein dauniges Kissen und suhle mich in meiner Selbstzufriedenheit. Ist ja immer ein ständiges Auf und Ab bei mir. Endlich Brutto-Uhu!!!

Stressabnahme!

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Ich bin noch da. Ehrlich! Ich muss mich hier nur gerade etwas rar machen, weil es drunter, durch und drüber geht. Die letzten Wochen kam ich kaum dazu, meine Restwampe auf dem Sofa zu betten und meinen Appetit mit verführerisch-leckerer TV-Werbung anzuheizen. Vom Laufen ganz zu schweigen.

Vier Tage internationale Konferenz mit Abendprogramm, Auftritt als Sänger, Arbeitsanhäufung im Büro, Peter Gabriel Konzert in München, Geburtstag. Und jetzt bin ich schon wieder auf dem Sprung nach München: Fototermin, James Taylor Konzert. Morgen bekomme ich dann für eine Woche Besuch. Und ist die Bude aufgeräumt? Natürlich nicht. Und ein Spülmaschinenkauf steht auch noch an. Das meiste davon ist schön und macht Spaß, aber ob positiv oder negativ: Stress bleibt Stress.

Die Erkenntnis: Die Zeit verfliegt wie im Nu und ich habe das Gefühl, die Kilos ebenfalls. Letzten Dienstag bin ich vorm Bandauftritt ganz kurz zum Wiegen bei WW reingehüpft (ja, ich kann jetzt auch hüpfen) und ergatterte meinen vierten Stern. Ich war ein Star – genau die richtige Voraussetzung für einen gelungenen Auftritt, der es dann auch war. Ich bin ja so eine Rampensau. Den berühmten Brutto-Uhu hatte ich zwar noch nicht geknackt, aber ich war nur noch ein Saftglas davon entfernt. Ich will den Tag nicht vor dem Dienstag loben, aber ich glaube, dass ich ihn inzwischen erreicht habe. Stress macht schlank. Kein Wunder. Zum Essen ist eh keine Zeit. Der Mai wird hektisch bleiben. Ab Juni wird’s dann wieder ruhiger. Sagt mein Kalender. Aber der belügt mich leider häufig. Ach ja, und dann kommt ja schon der North Sea Beach Marathon. Ich bin angemeldet. Für zehn Kilometer. Das Ferienhäuschen ist gebucht. Das Margarethenreich ruft. Ich komme!

So, und jetzt ab nach München…

Spargel mit Krokodilstränen

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Huch? Bin ich zu spät?

„Schweißtropfen sind die Abschiedstränen der Fettpölsterchen.“

Sprach die Coachin zum Abschied. Vorher hatte Sie uns noch von den ProPoints-Werten der Sattmacherfliegen berichtet, die einem beim Fahrradfahren – huch, wo bleibt der Zeitgeist – also beim Biken zwischen den Zähnen hindurch, hinterm Gaumen links ab, direkt in den Magen fliegen. Wenn die Lachtränen beim wöchentlich-fröhlichen Treffen mit den Transpirationsliquiden der letzten sieben Tage zusammentreffen, könnte die geballte Flut tatsächlich eine Gewichtsabnahme bewirken. Vielleicht sollte in Kempten ganz innovativ nach dem Treffen gewogen werden. Da ist man dann eh guter Stimmung und strotzt vor Motivation und Elan. Und bei dem Spaß, den wir dort haben, könnte vielleicht noch 100 Gramm Lachabnahme drin sein.

Doch ach, was ist nur mit meinen Lipiden los? Schon wieder nur marginale 200 Grämmchen. Der tränenreiche Abschied liegt denen wohl nicht. Immer mehr festigt sich die Vermutung, dass WeightWatchers gut mit Walken oder langsamen Joggen korrespondiert. Sowie man aber Gummi gibt und den Puls bestzeitenheischend nach oben treibt, scheint es kontraproduktiv zu werden. Muskeln, Glykogen, Wasser hin oder her. Wenn ich im schwäbischen Sprachraum „laufe“ (im Norden sagt man „gehen“), geht’s der Schwarte ans Eingemachte, wenn ich renne (norddt.: „laufe“), stagniert sie oder wird sogar mehr. Meine Schweißtropfen sind also weder ehrlich noch echt. Sie rinnen feist grinsend meine Rundungen herab und lachen sich ins nasse Fäustchen. Na wartet!

Ich weiß, ich fange an, mit dem Sport-Thema zu langweilen. Also gut. Mal was anderes: Heute hatte ich überraschend Besuch von meinen nordischen Eltern. Auf dem Weg in den Urlaub schauten sie für einen Abend vorbei. Und brachten das Schönste mit, was die heimische Lüneburger Heide außer dem sündigen Knipp zu bieten hat: Spargel, Kartoffeln, Schinken. Die Erzeuger bekamen dazu ihre, ich meine Hollandaise. Ich durfte vom Thomy-Quader kosten und war überrascht, dass mir die WW-Variante sogar besser schmeckte. Aber, liebe Schrobenhausener, seid mir nicht bös‘. Aber fahrt mal im Frühling irgendwo zwischen Schwarmstedt und Soltau von der A7 runter, kauft Spargel und Heidekartoffeln. Ihr werdet fortan darüber nachdenken, Eure Felder zu renaturieren oder Reis darauf anzubauen. Denn DAS ist Geschmack. Ehrlich! Welch schönes Geschenk.

Geschenk? Ich erwähne das ja sonst nicht so egozentrisch, aber morgen habe ich Geburtstag. Da muss ich einen ausgeben. Ich werde meine schlanken Kollegen mit zwei WW-Tortenrezepten konfrontieren: Kokos-Käse-Tarte und Mousse-au-Chocolat-Torte. Die werden staunen. Bis Donnerstag sind dann bei uns in der Firma zich Kollegen aus aller Herren Länder – von Brasilien über Südafrika bis nach Indien und China – zu Gast, incl. Abendveranstaltungen. Essen gehen, Sau… äh Trinken, nix mit Wiegen. Also nächste Woche wieder „Hour of Truth“ am Sonnabend im Beisein ausdauernd brabbelnder Kinder. Ich freu‘ mich – ein paar Tage mehr um ENDLICH wieder ein Erfolgserlebnis vorzubereiten.

Und jetzt schaue ich mich nach einer neuen Spülmaschine um, damit das Kochen noch mehr Spaß macht. Mal sehen, ob ich noch irgendwo in den tiefen meiner Speisekammer ’ne Dose Knipp finde. Guten Tag, mein Name ist Erdmann, ich möchte hier einkaufen…