Ich war’s nicht, ganz ehrlich!
>>> Breaking News
Ich war’s nicht, ganz ehrlich!
>>> Breaking News

Also eines habe ich in den Jahren auf manisch-depressive Weise erlernt: Schnell drauf ist schnell wieder runter. Das gilt sowohl mittel- als auch kurzfristig. Während ich damals, als ich mit WW begann, ewig brauchte, bis ich den intelligenten Mäuseräuber zum Flattern brachte, ging das in diesem Jahr wirklich ratzfatz. Und die drei Kilo, die ich mir vorletzte Woche auf einer Dienstreise mit vielen Auswärtsgenüssen anfraß, waren in nur drei Tagen wieder weg. Und jetzt das! Meine Socken kriegen Löcher von den Krallen, meine Augenbrauen wachsen pinselförmig nach außen, ich kann nachts wieder besser sehen und meine Stimme klingt seltsam kreischig. Denn er ist wieder da, der Uhu.
Heute war ein mieser Tag. Ich kam nicht aus den Federn, hatte Rückenschmerzen. Nichts machte mir Spaß, Stress und schlechte Stimmung im Büro und selbst die donnerstägliche Bandprobe wollte nicht so recht in Gang kommen. Also, Tag einfach abhaken und vergessen, nach Hause und ab ins Bett. Aber halt! Erst nochmal sich selbst geißeln und ab auf die Waage.
HUCH! rief ich meiner im nächtlichen Dunkel blinkenden Luxuszahnbürste zu, weil sie nunmal gerade da stand, wo ich hinhuchte. Da fehlt ja was. Die Eins ist weg! Na gut, dann also doch noch ’ne Runde freuen. Zur Belohnung einen unerhörten Pretzel Dog und dazu ein ebenso unerhörter Schoppen Rotwein. Ich weiß, passt nicht zusammen, aber ich bin regelmäßig in den USA unterwegs, da lernt man sowas.
Nun liege ich hier lang und gar nicht mehr so breit auf meinem Bettchen und tippe diese freudig gestimmten Zeilen. Das hätte ich heute mittag, als die Missstimmung auf dem Höhepunkt war, ebenso wenig geglaubt wie wenn jemand mir erzählt hätte, dass im Münchener Hofbräuhaus morgen eine Krabbenpulmeisterschaft stattfindet.
Na dann werde ich jetzt mal die Uhuaugen schließen und von Mäusen und vom Wochenende träumen. Dann kann’s ja weitergehen!
Gute Nacht, Freunde!
Heute schreiben wir den 1. Februar. Der berühmte Januar, der mit seinem Vorsatzdruck oftmals Wundersames bewirkt, ist vorüber. Und was hat er nun bewirkt? Wundersames! Aber der Reihe nach:
Was die kulinarisch verlockendste Zeit des Jahres, also die mit den vier Kerzen, angeht, hatte ich meine Ankündigung wahr gemacht. Von 108 habe ich mich bis Neujahr auf 112 hochgefressen, damit der Leidensdruck dem meines WW-Einstiegs vor drei Jahren entspricht. So jagte dann ein Déjà-Vu das nächste. Wieder lümmelte ich eines faulen Sonntags im frühen Januar im Bett herum und grübelte. Neues Jahr, neues Fett? Nein, eher nicht. Ich erinnerte mich an den Parallelsonntag 2012. Damals blickte ich durchs Dachfenster in den blauen Allgäuer Himmel und raffte mich auf. Was daraufhin entstand bzw. verschwand, muss ich ja nicht wiederholen. Steht ja alles hier geschrieben.
In diesem Jahr hatte ich kein Dachfenster. Ich blickte also an die Decke statt in Himmel, der eh von einem unattraktiven grau gezeichnet war. Aber – und jetzt kommt’s: Aufgerafft habe ich mich trotzdem! Vor kurzem erst bei WW abgemeldet, meldete ich mich wieder an, aktualisierte die App auf meinem iPad und wälzte einen Nachmittag lang meinen Berg an WW-Kochbüchern. Alte Gewohnheiten wurden wieder neu, Bananen und Äpfel fanden den Weg zurück in Allgäuer Magermilchjoghurt und die gute alte 7%-Crèmefine bekam wieder einen Ehrenplatz im mit Grünzeug vollgepfropften Kühlmöbel. Vorteilhaft dabei ist, dass es im nahe gelegenen Erding einen Feneberg-Supermarkt gibt, bei dem ich all die feinen Allgäuer Zutaten bekomme, die mir damals das Leben erleichtert hatten. Obwohl es, und dass sei hier an dieser Stelle mal lauthals angeprangert, in ganz Bayern keinen „Kochkäse light“ zu kaufen gibt, der in den Rezepten immer mal wieder gefordert wird.
Aber à propos Käse. Meine Entdeckung des noch jungen Jahres ist der von mir bisher bis aufs Blut verschmähte Harzer Roller. Bah, was für ein widerlich- beißender Geschmack, wenn ich versucht habe, diesen Sattmacher mit einer Vollkornstulle in meine Kauleiste zu schieben. Ging gar nicht. Aber dann las ich ein Rezept, das mich anwies, den Stinkekäse in Scheiben gehobelt zum Überbacken auf einen Auflauf zu drapieren. Und was soll ich sagen: nun, liebe Sennerinnen und Senner vom Brocken, jetzt weiß ich, warum Ihr das macht. Jetzt kommt die Würzigkeit Eures glasigen Milch(?)produktes gerade recht. Seit dem schneide ich alles in Würfel, was mir unters Messer kommt, ob es nun das edle Rinderfiletsteak, ein Haufen duftender Steinpilze, knackige Zuckererbsenschoten oder eine exotische Papaya ist. Alles wird in mundgerechte Stücke zerkleinert, in die Pfanne gehauen und dann mit was auch immer (Nudeln, Sauerkraut, Spätzle…) in eine Auflaufform geschüttet. Harzer Topping und ab in den Ofen. Lecker!
Was? Schon 2800 Zeichen? Ich plappere ja schon genauso viel hier herum wie Bacon-Tanja im Dschungel. Na, dann will ich mal zum Punkt kommen. Wie gesagt, wir schreiben heute den 1. Februar, und ich hatte heute ein gutes Gespräch mit der Unerbittlichen, die mir in einem Anflug von seltener Gutmütigkeit eine Zahl vor die Füße projizierte, die mich, sagen wir mal, nicht unglücklich machte.
101,2 kg!
Sollte ich tatsächlich noch in diesem Monat wieder zum Mäusefresser werden? Gut wäre das, denn Ende des Monats wird mein Brüderchen 50, und da gibt’s sicherlich einige feine Spezereien zu schnabulieren.
Ich bin also erstmal wieder da. Wer hätte das gedacht?