Bierologisch-karnivore Zwangspause

Fressen

Huh. Fast einen Monat her, dass ich mich hier ausließ. Ich falle vor meinen Lesern um Vergebung flehend auf die Knie und komm‘ nicht wieder hoch. Ich bin zu schwer. Es ist aber auch wie verhext. Seit der Jobwechsel ansteht geht’s drunter und drüber, leider auch was mein Gewicht angeht. Nach meinem letzten Eintrag trat tatsächlich das Wunder ein. Ich hatte trotz Tollwood satte 1,2 Kilo weniger. Stern Nummer sechs. Hach, was war ich froh. Und wochs drauf nochmal 900 Gramm. Minus 19 prangt bis heute in meinem Teilnehmerbuch. Bis heute. Richtig. Aber nur weil ich seitdem nicht mehr im Treffen war. Das Chaos nahm seinen Lauf.

Da war zum einen Ameeerikaaa. Eine Woche Ohio. Geschäftlich. Heißt: Geschäftsessen reihte sich an Geschäftsessen. Es gibt dort offensichtlich im Gründerland von WW eine Untergrundorganisation zur Unterwanderung der WeightWatchers-Regeln durch guten Geschmack. Ich nenne sie die „SteakWatcher“ oder die „TripleChocolateCakeWatcher“. Denn Letzteres scheint die Spezialität der dortigen Provenienz zu sein. Ich fraß. Und ich fraß. Nebenbei fraß ich noch etwas, nur unterbrochen von kurzen Fresspausen. Mexikanisch, Französisch, Italienisch, Fast Food, Lunchboxes, Sandwiches – alles mit US-amerikanischer Liebe zubereitet. Ansonsten Meeting nach Meeting nach Meeting. Keine Zeit zum Rennen. Aber es war schön.

Zurück, wo die Wiesen grüner sind als anderswo, zeigte die Unerbittliche eine Zunahme von fünf, in Worten „5“, Kilo an. „Heidenei!“ rief ich mir entsetzt zu und schlüpfte in den Joggingdress. Nun muss ich an dieser Stelle ausplaudern, dass ich Fan von schicken Kurvendiagrammen bin. Aber mitnichten, wenn diese ständig nach unten zeigen. Also schwänzte ich das Treffen und ersetzte es durch Training und war auch bald darauf wieder auf Minus 18. Puh. Was man schnell anfrisst, kann man auch schnell wieder loswerden.

Dann kam Bamberg. Letzte Woche. Wofür ist Bamberg bekannt und warum fährt man dahin? Richtig. „U“ steht für „ungespundet“ steht für „naturtrüb“ steht für Kellerbier. Auf den sonnigen Kellern der Bamberger Altstadt lässt es sich aushalten und vor allem abschalten. Ich war satt von Wohnungsbesichtigungen und nächtelangen ImmoScout-Besuchen. Nicht satt war ich der fränkischen Speisen. Ein Bamberger Schäuferla kann ein Fleischfresser wie ich nicht ablehnen. Wollte ich auch gar nicht. Das war mein Wochenende. Am Sonntag kam ich zurück und sündigte auf der Allgäuer Feschtwoch gleich weiter. Gestern morgen zeigte die Vermaledeite wieder drei Kilo mehr an. Trotz bullig heißem 10-Kilometer-Tropenlauf am Sonnabend. Und die Sache mit den Diagrammen wisst Ihr ja nun. Jetzt sitze ich hier, schwänze erneut und wappne mich für weitere gerannte Kilometer.

Die Coachinnen werden dies nun lesen und voller Tadel und Berechtigung ihre Stirnen in Falten legen. „Hey, nicht drücken! Ab ins Treffen! Motivieren lassen! Weiter! Weiter! Weiter!“ Und ich senke reumütig mein Haupt – aber nur kurz, sonst kann ich diesen Bildschirm ja nicht mehr sehen – und unterlasse Ausreden. Es sind die Diagramme. Und die SteakWatcher. Und die BierWatcher. Um auf den vorchaotischen Stand zu kommen, braucht es nun weitere fünf Kilo. Dabei wollte ich vor meinem Neuanfang fertig werden, Gold werden.

Aber: Es war alles unheimlich schön. Es war alles unheimlich lecker. Und es war alles unheimlich wert, ein Rückwärtspäuschen einzulegen. Also liebe Coachinnen. Ich bin nicht weg. Ich komme wieder. Hasta la vista, Baby. Der Fettzellenterminator ist nicht geschlagen.

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